Gedicht der Woche: „The Darkling Thrush“ (Thomas Hardy)

Thomas Hardy (1840-1928) *Woodburytype Photograph   *9 1/2 x 7 inches

Passend zur trostlosen Februarlandschaft hier in Röttenbach ein Gedicht vom Englischen Schriftsteller Thomas Hardy (1840 – 1928):

I leant upon a coppice gate
      When Frost was spectre-grey,
And Winter’s dregs made desolate
      The weakening eye of day.
The tangled bine-stems scored the sky
      Like strings of broken lyres,
And all mankind that haunted nigh
      Had sought their household fires.
The land’s sharp features seemed to be
      The Century’s corpse outleant,
His crypt the cloudy canopy,
      The wind his death-lament.
The ancient pulse of germ and birth
      Was shrunken hard and dry,
And every spirit upon earth
      Seemed fervourless as I.
At once a voice arose among
      The bleak twigs overhead
In a full-hearted evensong
      Of joy illimited;
An aged thrush, frail, gaunt, and small,
      In blast-beruffled plume,
Had chosen thus to fling his soul
      Upon the growing gloom.
So little cause for carolings
      Of such ecstatic sound
Was written on terrestrial things
      Afar or nigh around,
That I could think there trembled through
      His happy good-night air
Some blessed Hope, whereof he knew
      And I was unaware.
Dieses Gedicht malt wie kein anderes das Bild einer deprimierenden Winterlandschaft: kahle Bäume, tote Äste, ein hart gefrorener, unfruchtbarer Boden – die Landschaft selbst steht für Stillstand, Tod, und der Wind stimmt den Totengesang an. Man hat förmlich das Gefühl, selbst in diesem lebensfeindlichen Wald zu wandeln: Es ist kalt, das Leben ist trostlos, nichts geht weiter, weder im Job noch privat. Ich will mich verändern, aber kann es nicht. Mein Beruf macht mir keinen Spass, aber ich habe habe Angst, ihn aufzugeben. Angst um meine Existenz und Angst vor zu viel Freiheit. So bin ich fast so starr wie die Landschaft. Die Wege sind verschneit, alles stagniert und ich komme nicht weiter. Nur eine alte Drossel, völlig fehl am Platz in dieser Einöde, singt ihr wunderschönes Lied, das von neuer Hoffnung kündet. Der kleine Vogel weiß ganz sicher, was ich gerne vergesse: Nach dem Winter kommt der Frühling zurück, nach dem Tod bricht sich das Leben wieder Bahn. Darum ist auch die deprimierende Kälte des Winters eines Lobgesangs würdig, und auch die bedrückenden Stunden unseres Lebens haben unsere Berechtigung, wenn wir weise genug sind, sie in ihrer Vorläufigkeit Willkommen zu heißen.

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