Mekong-Delta

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Weil ich schon einmal in Südvietnam war, wollte ich unbedingt das Mekong-Delta sehen, eine ausgedehnte Flusslandschaft, in der etwa 17 Millionen Menschen leben. Mich interessierte vor allem, wie die Menschen am und auf dem Fluss lebten, außerdem reizte mich die Landschaft und ich wollte einen schwimmenden Markt besuchen. Ein Tag erschien mir zu wenig – allein die Anreise von Ho-Chi-Minh-Stadt nach Cần Thơ dauert 4 Stunden – darum entschied ich mich für eine zweitägige Tour. Der Trip wurde von meinem Hostel organisiert, darum weiß ich den Namen des Veranstalters leider nicht. Es war irgendetwas mit „AN Travel“, sicher bin ich mir jedoch nicht mehr. Auf jeden Fall sollte die Tour 30 Euro für 2 Tage kosten, inklusive Unterbringung im Homestay, Mittagessen und Abendessen. Zumindest am ersten Tag waren also alle Kosten abgedeckt, aber dazu später mehr.

Los ging es von Ho-Chi-Minh-Stadt aus mit dem akklimatisierten Reisebus, in dem ich wieder einmal den Beifahrersitz ergattern konnte. Unser Reiseführer stellte sich als Liem vor, wir durften ihn jedoch auch Slim oder Handsome Slim nennen. Ähnlich ausgefallene Witze zogen sich in gebrochenem Englisch für den Rest der Tour fort. Erster Stopp war Vĩnh Tràng, eine beeindruckende Tempelanlage und Ort dreier großer Buddhastatuen. Diese stellte uns Liem als Buddha der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft vor. Viel mehr Informationen waren aus unserem Reiseführer nicht herauszukitzeln. Da mir diese Figuren jedoch auf meiner Vietnamreise noch häufiger begegnen sollten, habe ich einmal über deren Hintergrund recherchiert.

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Dipankara, der Buddha der Vergangenheit – erlangte die Erleuchtung Tausende von Jahren vor dem jetzigen Buddha. Formt mit der Hand (seltsamerweise mit der linken) ein schützendes Handzeichen oder Mudra.

 

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Der liegende Buddha – eine Darstellung des historischen Buddha Shakyamuni, kurz bevor er in das Parinirvana, das Nirvana nach dem Tod des Körpers, eintritt.
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„Smiling Buddha“ oder „Fat Buddha“ – diese Statue kennt man aus vielen chinesischen Restaurants in Deutschland. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um den historischen Buddha Shakyamuni, sondern um Budai, eine Verkörperung des Maitreya. Dieser soll in einer fernen Zukunft, wenn die Lehre des letzten Buddha auf der Welt vergessen ist, auftreten und alle Wesen zur Erleuchtung führen.
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Was für ein Anblick! Und der Tempel im Hintergrund ist auch nicht übel.

 

Nach dem Tempel fuhren wir mit dem Bus weiter und gelangten bald endlich zum Ufer des Mekong, wo wir auf unser erstes Boot stiegen. Weit kamen wir jedoch nicht. Unser nächster Stopp war Unicorn Island, eine kleine Insel, auf der wir Honigtee probieren sollten. Der Tee, serviert mit Trockenfrüchten, war wirklich gut, wenn auch etwas süß. Der Honig soll übrigens alle möglichen Beschwerden heilen, von Herzproblemen bis Impotenz…

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Weiter ging es zur nächsten Insel, auf der wir tropische Früchte probieren durften. Die Kostprobe war wirklich gut, hier fiel mir jedoch bereits das Muster auf, nach dem diese Tour verlaufen sollte: Irgendwo hinfahren, kostenlos etwas probieren und dann zum Kauf animiert werden. Das hat etwas von Kaffeefahrt und erklärt wohl den günstigen Preis der Tour. Besonders gestört hat es mich jedoch nicht, da diese Dinge alle neu für mich waren und mich wirklich interessierten. Dennoch fühlte sich die Tour nach Massenabfertigung an: Alle Besucher werden wie durch eine Drehtür zu den gleichen Spots bugsiert, die Erfahrung ist für alle mehr oder weniger die selbe.

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Gleich nach der Kostprobe folgte jedoch eine sehr schöne Etappe: Wir stiegen auf ein kleines Ruderboot um, bekamen einen Strohhut aufgesetzt und wurden durch einen schmalen Kanal zu einem größeren Arm des Mekong gepaddelt. Die Fahrt war trotz der schwülen Hitze sehr entspannend und der Anblick des hoch bewachsenen Flussufers reizvoll. Dafür verzieh ich auch gerne die Spritzer schmutzigen Mekong-Wassers, die ich abbekam.

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Auf dem Hauptarm des Flusses angekommen, stiegen wir auf ein größeres Boot um und wurden – wie sollte es anders sein – zu einer weiteren Kostprobe gefahren. Diesmal sahen wir dabei zu, wie Kokosnuss-Bonbons hergestellt wurden und durften selbst welche probieren. Diese schmeckten mir so gut, dass ich dankbar eine Packung Bonbons erwarb, die mir vor allem auf der Zugfahrt nach Đà Nẵng das Leben retten sollten.

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Leider recht verdreckt und unspektakulär – der Mekong in der Nähe von Mỹ Tho.

Anschließend erhielten wir auf der gleichen Insel unser Mittagessen, entweder Reis mit Schweinefleisch, das im Tourpaket inbegriffen war, oder ein Fischgericht für 200.000 (!) Dong. Danach folgte die Mittagspause – Zeit zur freien Verfügung. Ich sah mir die Krokodile an, die wohl vor vielen Jahren einmal frei im Fluss herum geschwommen waren, jetzt jedoch in einem – wie sollte es in Vietnam anders sein – sehr engen Becken gehalten wurden und zur Belustigung der Touristen mit Fleisch gefüttert wurden. Anschließend legte ich mich in eine der Hängematten, bevor unsere Fahrt weiterging.

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Mit dem Bus fuhren wir weiter nach Cần Thơ, der größten Stadt im Mekong-Delta. Allerdings sahen wir nicht viel von der Stadt: Es war bereits früh am Abend und Zeit, in unsere Unterkunft zu gehen. Unsere Gruppe teilte sich in zwei Hälften: Die einen hatten ein Zimmer im Hotel gebucht (das praktischerweise der Organisation gehört, die auch die Touren anbietet), die andere Hälfte, zu der auch ich gehörte, war in einem Homestay untergebracht. Also ging es wieder auf ein kleines Boot, diesmal ein motorisiertes, und wir fuhren einen Nebenarm des Mekong entlang zu unserem Homestay. Die Fahrt hat mir gut gefallen, besonders weil außer dem Motor nur das Zirpen der Grillen zu hören war. In der abendlichen Dämmerung im Schatten der Baumwipfel hatte ich fast das Gefühl, wie in Apocalypse Now flussaufwärts ins Herz der Finsternis zu fahren. Unser Homestay entpuppte sich dann aber zum Glück nicht als finstere Absteige, sondern war sehr gemütlich, mit großen Zimmern, Moskitonetzen (die man so nah am Fluss auch braucht) und einem sehr leckeren Abendessen: Wir konnten unsere eigenen Frühlingsrollen mit Reispapier zubereiten, dazu gab es Gemüse, gekochten Fisch und Mango zum Nachtisch. Eine Flasche Reiswein für 40.000 Dong (1,43 Euro) in geselliger, internationaler Runde machte den Abend perfekt.

 

Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen, denn nach dem Frühstück um 06:00 Uhr stand noch ein Besuch des schwimmenden Marktes an: für mich einer der Hauptgründe, das Mekong-Delta zu besuchen. Vorgestellt hatte ich mir das:

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Quelle: Wiki Commons

Bekommen hatte ich das:

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Zugegeben: Der Reiseveranstalter hatte nicht zu viel versprochen: Es handelte sich definitiv um einen Markt, und die Verkäufer kamen mit Booten. Also war es ein schwimmender Markt. Natürlich war der Markt nicht so farbenfroh und traditionell wie das oben zu sehende Foto aus Thailand. Aber mal im Ernst – der Mekong ist ein großer Fluss und warum sollten die Händler noch mit kleinen Ruderbooten herumpaddeln, wenn sie ihre Ware mit Motorbooten viel schneller und einfacher an den Mann (und an Touristen) bringen können? Der Markt war trotzdem eine spassige Erfahrung: Viele Mangos und Kokusnüsse wanderten von den schwimmenden Verkaufsständen in unser Boot; ich gönnte mir einen Kaffee für 20.000 Dong (0,70 Euro) – auch nicht teurer als auf dem Festland. Unterhaltungswert hatte der Besuch des Marktes auch, da uns eine ältere vietnamesische Händlerin gute 10 Minuten von ihrem Boot aus beschimpfte, weil wir nichts bei ihr gekauft hatten. Ein Foto habe ich aus Sicherheitsgründen nicht gemacht – auf den Kamikaze-Angriff einer wütenden Seniorin mit anschließendem Bad im verdreckten Mekong konnte ich gerne verzichten.

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Der schwimmende Markt ist nicht nur für Touristen – viele Einheimische kaufen und verkaufen dort Produkte.

 

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Der schwimmende Markt war dann auch die letzte große Station an diesem zweiten Tag: Wir steuerten mit unserem Bus noch einen Rastplatz an, wo wir Delikatessen wie gebratene Froschschenkel und Schlange probieren und einen kleinen Becher Kokusnussschnaps versuchen konnten. Die Froschschenkel waren knusprig und ohne besonderen Eigengeschmack, der Kokusnusswein kräftig, aber mild. Anschließend ging es zu einer ausgedehnten Obstplantage, auf der unser Guide uns die verschiedenen (teilweise riesigen) Früchte zeigte, bevor wir – oh Wunder! – selbst ein paar Früchte erstehen konnten. Die Preise waren unverschämt hoch und die Händler ließen, anders als auf vielen vietnamesischen Märkten – nicht mit sich feilschen. Und warum sollten sie auch? Selbst wenn ich nichts kaufte – die nächste Reisegruppe voller Touristen mit vollen Geldbeuteln und nur vagen Kenntnissen des Wechselkurses war bereits auf dem Weg. So teilte ich mir eine Drachenfrucht für 20.000 Dong mit zwei Engländern und hatte so auch Geld gespart.

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Örtliche Delikatessen – Froschschenkel, Schlange und getrockneter Fisch

Auf dem Rückweg nach Ho-Chi-Minh-Stadt machten wir wieder Halt beim Hotel, wo wir unser Mittagessen in einem Restaurant zu uns nahmen, das clevererweise dem gleichen Veranstalter gehörte. Eine andere Option gab es nicht, und zahlen mussten wir diesmal auch selber. Wie bei den Cu Chi Tunneln musste ich hier wieder über die Geschäftstüchtigkeit der Vietnamesen staunen: Wenn man wirklich Geld machen will, dann lohnt es sich wohl, alles aus einer Hand anzubieten: Touren, Restaurants, Hotels – dann lässt man den Gästen keine Wahl und kann die Preise diktieren. Fairerweise muss ich aber dazu sagen, dass die Preise im Restaurant nur leicht über dem Durchschnitt lagen und das Essen wirklich gut war.

Und so hinterließ mich meine Tour im Mekong-Delta auch mit einem deutlich positiven Gefühl, und das nicht nur aufgrund unserer tollen Reisegruppe. Ja, die Tour hat definitiv Kaffeefahrt-Charakter, und wenn man mehrere davon macht, wird es sich kaum vermeiden lassen, dieselben Touristenfallen mehrmals anzusteuern. Und dann kann es sicherlich ermüdend sein, sich zum fünften Mal anzusehen, wie Reispapier hergestellt und Papayas angebaut werden. Aber für mich war, wie gesagt, alles noch neu und so fügte ich mich der Tatsache, dass alles auf dieser Tour streng durchgetaktet war und ich keine eigenen Entscheidungen treffen konnte (oder musste). Auch das kann ganz angenehm sein und vermieste mir die Erfahrung im Mekong-Delta überhaupt nicht.

Die Flusslandschaft an sich ist auch durchaus interessant anzusehen, man sollte jedoch keine überwältigenden Naturkulissen erwarten, zumindest nicht überwiegend. Es handelt sich um eine hoch entwickelte, dicht besiedelte Region; dementsprechend ist der Mekong auch eine trübe, braune Kloake und stark zugemüllt. Einige Ecken auf unserer Tour waren jedoch ganz reizvoll und vor allem war es für mich als deutscher Flachlandbewohner faszinierend zu sehen, wie die Menschen an den Ufern dieser gigantischen Lebensader wohnen und arbeiten.

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