Hội An

Mit dem Bus fuhr ich von der Metropole Đà Nẵng nach Hội An, einem kleinen, aber bei Touristen sehr beliebten Ort, nur eine Stunde entfernt. Hội An war früher eine bedeutende Hafenstadt, wichtig für den südostasiatischen Seehandel. Im 17. Jahrhundert verlor die Stadt rapide an Bedeutung im Vergleich zum 30 km entfernten Đà Nẵng – aus heutiger Sicht jedoch an Glücksfall für Hội An, denn so blieb die historische Altstadt sowohl von Modernisierungsversuchen als auch von Kriegsschäden verschont. Im Jahr 1999 wurde die Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt und zieht seitdem Jahr für Jahr Tausende von Touristen an.

Ich stieg im Mr. Che Hostel nahe der Altstadt ab, das neben kostenlosem Frühstück auch mit Freibier von 18:00 bis 18:30 Uhr wirbt. Von dort aus sind es nur fünf Minuten zum historischen Zentrum Hội Ans. Zuerst musste ich mich entscheiden, ob ich ein Ticket für die Altstadt kaufen sollte, um Zutritt zu den Pagoden und Museen zu bekommen. Der Preis für das Ticket beträgt 150.000 Dong (5,40 Euro), die Verkäuferin versicherte mir, dass ich damit „many things“ anschauen könne. Nach dem Kauf sah ich, dass damit fünf Attraktionen gemeint waren, die man mit dem Ticket besichtigen kann. Nicht eingeschlossen ist der Besuch einer traditionellen Theaterveranstaltung im Hoi An Traditional Art Performance Theatre. Es gibt in der Altstadt definitiv mehr als fünf Attraktionen, darum versuchte ich, eine gelungene Auswahl zu treffen.

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Als erstes ging ich zum Pháp Bảo Temple, der wohl schönsten und farbenprächtigsten Pagode Hội Ans, etwas außerhalb der Altstadt. Der Tempel weist einen schönen, weitläufigen Garten auf und der Eintritt ist kostenlos.

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Danach besichtigte ich die Hainan Assembly Hall, die im Jahr 1851 von chinesischen Einwanderern aus der Provinz Hainan zur Versammlung und Anbetung erbaut wurde. Außerdem werden dort 108 chinesische Märtyrer verehrt, die als angebliche Piraten zu Unrecht hingerichtet worden waren.

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Das viele Herumlaufen durch die überfüllten und lauten Straßen der Altstadt (nein, sie ist nicht für den Fahrzeugverkehr gesperrt) hatte mich durstig gemacht, und so ging ich zur kostenlosen Teeprobe. Hier kann man Tee aus allen Regionen Vietnams und darüber hinaus probieren, erfährt etwas über die verschiedenen Sorten und kann auch Tee kaufen.

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Etwas lebendige Kultur sollte auch sein, darum machte ich mich auf den Weg zu einer traditionellen Sing- und Tanzvorführung. Allerdings war ich recht spät dran und konnte dementsprechend nur einen unvorteilhaften Stehplatz ergattern. Die Musik war interessant, für meine westlichen Ohren jedoch sehr gewöhnungsbedürftig.

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Mich faszinierte die Idee einer kleinen Hafenstadt, in der Händler aus verschiedenen Regionen Südostasiens auf engstem Raum zusammen lebten, ihre Bräuche und Traditionen mitbrachten, diese jedoch auch veränderten. Um mehr über die Lebensweise der Einwohner in früheren Zeiten zu erfahren, steuerte ich das Museum of Folk Culture an. Hier dokumentieren viele interessante Exponate die Geschichte der Stadt. Wer sich eher für die neuere Geschichte Hội Ans interessiert, dem kann ich das Hoi An Museum ans Herz legen.

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Ihre wahre Schönheit entfaltet die Altstadt übrigens erst nach Einbruch der Dunkelheit. Dann werden die Straßen von farbigen Lampignons erhellt und die Lichter der Bars und Restaurants spiegeln sich malerisch im Han-Fluss, während Touristen und Locals kleine Schiffe mit Teelichtern zu Wasser lassen. Einzig die Masse an Touristen trübt die romantische Stimmung ein wenig und das ist dann wohl auch mein größter Kritikpunkt an Hội An: Die Altstadt ist einfach zu überfüllt. Es würde schon helfen, Motorroller und Autos dort zu verbieten. Die Häuser mögen das Bild einer traditionellen südostasiatischen Hafenstadt gut erhalten wiedergeben – besonders schön anzusehen sind sie (von den bunten Lichtern abgesehen) jedoch nicht. Überall warten Händler, alles ist sehr touristisch. Auch ist die Altstadt sehr klein. In einer halben Stunde hat man sie abgeschritten und kann sich dann entscheiden, welche Örtlichkeiten man sich mit dem gekauften Ticket näher ansehen möchte.

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Mỹ Sơn

Am nächsten Morgen brach ich früh auf, um eine weitere Attraktion der Region zu besichtigen – die Tempelstadt Mỹ Sơn. Die meisten werden bereits von Angkor Wat gehört haben, dem riesigen Tempelkomplex, der von der Hochkultur der Khmer errichtet wurde. Die gleiche Hochkultur, in Vietnam Champa genannt, errichtete 50 km südwestlich von Hội An eine Tempelstadt, deren Überreste zwar bei weitem nicht an die Größe und Schönheit Angkor Wats heranreichen, aber allemal einen Besuch wert sind.

Mit dem Motorroller (den ich für 150000 VND im Hostel gebucht hatte) brauchte ich etwa 2 Stunden von Hội An, allerdings wollte ich auch eine ruhige Strecke nehmen, auf der ich etwas von der Landschaft und den kleinen Dörfern sehen konnte. Dafür sollte sich diese Strecke als perfekt erweisen – Dank dafür geht an hoanbikerental.com für die Route, die auch für Anfänger sehr gut befahrbar ist. Allerdings kam ich um 10:00 Uhr doch etwas später an als geplant, weshalb der Eingang der Ruinenstadt schon mit Touristen überschwemmt war. Es lohnt sich hier, wie bei den meisten Attraktionen Vietnams, möglichst früh zu kommen. Am Eingang entrichtet man den Eintrittspreis von 150.000 Dong (5,30 Euro) und hat dann die Wahl, kostenlos mit dem Elektro-Shuttle zu den Ruinen gefahren zu werden, oder die 2 km zu laufen. Ich entschied mich fürs Laufen, weil man so die wirklich schöne Landschaft noch besser bewundern kann. Oben angekommen warten ein Restaurant und ein Museum, in dem man mehr über Mỹ Sơn und die Champa-Kultur erfahren kann. Ich wollte jedoch endlich die Ruinen ansehen, die sich in verschiedenen Arealen befinden. Vor allem drei Areale werden von Touristen besucht, die restlichen Ruinen werden gerade noch von vietnamesischen und französischen Archäologen ausgegraben.

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Das Relief zeigt Shiva, den Hauptgott My Sons.

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