Huế

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Huế ist der Name der alten vietnamesischen Kaiserstadt, Regierungssitz der Nguyễn-Dynastie (1802–1945) und bis 1945 Hauptstadt des Landes. Für Touristen ist sie besonders wegen der Zitadelle interessant – einer Stadt innerhalb der Stadt, die dem Vorbild der Verbotenen Stadt in Peking nachempfunden und während der Tet-Offensive im Vietnamkrieg schwer beschädigt wurde.

Mit dem Zug lässt sich Huế von Đà Nẵng aus bequem in 2,5 Stunden erreichen, die Option soft seat bietet genug Beinfreiheit und Stromanschluss an Bord. Vom Bahnhof aus ist es nicht weit zur Zitadelle und zu den vielen Hostels, die sich in nächster Nähe befinden. Außerhalb der Verbotenen Stadt fand ich Huế auf keinen Fall der Rede wert – die Stadt ist überfüllt, der Verkehr besonders chaotisch und alle fünf Minuten wird man gefragt, ob man Drogen kaufen will. Warum das ausgerechnet in Huế so ist, weiß ich nicht. Fest steht jedenfalls, dass die Stadt ein ernstes Drogenproblem, vor allem unter Jugendlichen, hat. Und anscheinend gibt es immer noch Touristen, die dumm genug sind, auf diese Abzocke hereinzufallen.

Früh morgens machte ich mich zu Fuß auf in Richtung Zitadelle auf der anderen Seite des Parfüm-Flusses. Das erste Wahrzeichen, an dem man vorbeikommt, ist Kỳ Đài, das dem Fluss zugewandte Fort mit dem Flaggenturm, der im Vietnamkrieg zerstört und durch einen Betonmast ersetzt wurde.

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Über den Parfüm-Fluss geht es zur Zitadelle von Hue
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Dieses Fort sollte einst die Verbotene Stadt beschützen.

Bevor man die Verbotene Stadt innerhalb der Zitadelle betreten kann, muss man sich ein Ticket für 150.000 Dong (5,30 Euro) kaufen. Danach geht man durch das Haupttor, das Noon Gate mit seinen fünf Eingängen (von denen der zentrale dem Kaiser allein vorbehalten war) und betritt den Vorplatz zum Thai Hoa Palast. Dieser ist meiner Meinung nach das schönste Gebäude der Verbotenen Stadt – vor allem der riesige mit Gold verzierte Innenraum mit seinen chinesischen Insignien ist sehenswert (was vielen Vietnamesen angesichts von Spannungen mit dem großen Bruder China nicht gefallen mag: die Nguyễn-Dynastie sah sich im Grunde selbst als chinesisch, modellierte ihre Hauptstadt anhand der chinesischen und zollte dem Kaiser von China symbolischen Tribut). Leider ist Fotografieren im Inneren nicht gestattet, darum hier ein Bild, das nicht von mir stammt.

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Der Thai Hoa Palast

Mit dem Palast hat man meiner Meinung nach auch das schönste Wahrzeichen der Verbotenen Stadt gesehen. Was folgt, sind große freie Flächen, die jedoch nicht besonders sehenswert sind. Die Bilder zeigen, dass Huế trotz der 40 Jahre, die seit dem Krieg vergangen sind, immer noch größtenteils eine Trümmerwüste ist, auch wenn der Wiederaufbau in vollem Gange ist. Neben einer Ausstellung über die Edikte der Nguyễn-Dynastie, die diese Blütezeit vietnamesischer Machtentfaltung in besonders strahlendem Licht erscheinen lassen, und einer sehr kunstvollen Drachenstatue (Symbol für die Kaiserwürde), gibt es hier im zentralen Teil der Verbotenen Stadt nicht viel zu sehen.

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Immer noch eine Baustelle – die im Krieg zerstörte Verbotene Stadt

Etwas außerhalb liegen einige kunstvoll verzierte Tore, durch die man Zugang zu den Gemächern der Kaiser-Mutter, der Ehefrauen und der Konkubinen hat. Insgesamt muss man für den Besuch der Verbotenen Stadt nicht mehr als zwei Stunden einplanen.

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Ich hatte noch etwas Zeit, bevor mein Zug fuhr, darum lieh ich mir für 40.000 Dong (1,4 Euro) ein Fahrrad aus und radelte zu einem weiteren Wahrzeichen der Stadt: der Thien Mu-Pagode, die 1601 auf einer Anhöhe über dem Parfüm-Fluss errichtet wurde. Die Pagode selbst ist nicht besonders eindrucksvoll. Mit ihrem siebenstöckigen Turm soll sie die höchste Pagode Vietnams sein, was ich nach meinem Besuch der riesigen Stupa in Ninh Binh jedoch bezweifle. Allerdings ist die Strecke zur Pagode am Parfüm-Fluss entlang ganz malerisch und wenig befahren. Außerdem befindet sich dort ein ungewöhnliches Ausstellungsstück: Das Auto, mit dem der buddhistische Mönch Thích Quảng Đức zu einer Straßenkreuzung fahren ließ, um sich aus Protest über die Diskriminierung von Buddhisten im Land selbst zu verbrennen.

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Insgesamt hatte ich einen halben Tag für Huế eingeplant und diese Zeit halte ich im Nachhinein für absolut ausreichend. Der Besuch der Zitadelle dauert nicht lange, auch für die Thien Mu-Pagode muss man nicht viel Zeit investieren. Mitreisende konnten mir die Gräber der Nguyễn-Kaiser etwas außerhalb des Stadtzentrums empfehlen, diese sollen ganz schön sein. Auch Thuan An Beach wurde mir ans Herz gelegt, ist aber sicher nicht der Hauptgrund, nach Huế zu reisen . Insgesamt hat mich Huế etwas enttäuscht, angesichts der Bekanntheit der Stadt hatte ich mehr erwartet: Die Verbotene Stadt ist zwar sehr weitläufig, aber architektonisch nicht sehr sehenswert. Wenn man sich dann noch vor Augen hält, dass kein Stein in der Zitadelle mehr original ist, wird das Erlebnis noch einmal getrübt. Wenn ich die Wahl zwischen Hoi An und Huế hätte, würde ich mich jederzeit für ersteres entscheiden. Wer sich jedoch für die Geschichte der vietnamesischen Kaiserzeit interessiert, wird um einen Besuch Huếs kaum herumkommen.

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