Banaue

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Weiße Sandstrände, traumhafte Inseln, Palmen und dichter Dschungel – diese Dinge werden den meisten Touristen in den Sinn kommen, wenn sie an die Philippinen denken. Wer das Land jedoch von einer anderen, weniger bekannten Seite sehen will, sollte den Norden der Insel Luzon besuchen und eine Reise in die Region Banaue wagen. Diese liegt in der Provinz Ifugao, einem gebirgigen Landstrich, der erst nach dem Zweiten Weltkrieg so richtig in den Philippinischen Staat eingegliedert wurde. Durch seine Unzugänglichkeit widersetzte sich die Bergregion lange Zeit erfolgreich Kontrollversuchen von außen – und auch heute noch spielen regionale Traditionen, Gesetze und eine relativ demokratische Regierung durch Dorfälteste eine wichtige Rolle.

Die Region Banaue ist vor allem wegen ihrer Jahrtausende alten Reisterrassen bei Touristen beliebt und lädt zu ausgedehnten Wanderungen ein. Die Fahrt von Manila dauert mit dem Reisebus etwa 12 Stunden – ein langer Trip, Flüge sind jedoch nicht möglich. Die Busgesellschaft heißt Ohayami Trans, ein Ticket gibt es für 500 Pesos (7,5 Euro) und die Fahrt dauert etwa 9 Stunden. Ich nahm den Nachtzug um 22:15 Uhr. Ich empfehle jedoch dringend, das Ticket frühzeitig zu reservieren: Ich war etwa zwei Stunden vor Abfahrt am Ticketschalter und bekam nur noch einen sog. „Center Seat“, einen ausklappbaren Sitz im Gang des Busses, der so unbequem und schlecht gepolstert war, dass sich die letzten Stunden der Fahrt als reinste Folter erwiesen. Für diese Strapazen wurde ich jedoch entschädigt, als ich sah, wie die Landschaft gebirgiger wurde, die Felder und Wiesen steilen bewaldeten Klippen Platz machten. Über serpentinenartige Gebirgsstraßen ging die Fahrt immer steiler, bis ich im Städtchen Banaue angekommen war. Dieses ist winzig, bietet aber einige Herbergen und hat definitiv seinen ganz eigenen Charme mit seinen engen Gässchen und den kleinen Läden, die den berühmten Schmuck und die Holzschnitzereien im Ifugao-Stil verkaufen. Abends finden dort vor dem Rathaus Tanzveranstaltungen bei Feuerschein statt und auch wenn der Ort touristisch gut erschlossen ist, fühlt er sich sehr entspannt an. Das Tourist Center bietet einige Touren an – ich entschied mich jedoch spontan für eine zweitägige Gruppenwanderung zum nahe gelegenen Ort Batad: Hier sollen laut Mitreisenden die schönsten Reisterrassen der Region liegen und ich wollte sehen, ob diese Meinung berechtigt war.

Am ersten Tag der Wanderung fuhren meine Gruppe und ich mit dem Van zu einem Aussichtspunkt außerhalb Banaues, von wo aus wir einen ersten Blick auf die Reisterrassen erhaschen konnten. Genauer betrachten konnten wir diese jedoch auf dem Wanderweg, der am Rande der Terrassen entlang verläuft. Diese sind einfach nur wunderschön und beeindruckend – vor allem wenn man bedenkt, dass sie bereits 2000 Jahre alt sind. So weit datieren Experten den Reisanbau in Ifugao zurück, und alle wichtigen Bräuche und Feste der Region drehen sich um dieses Grundnahrungsmittel, das übrigens immer noch von Hand gepflanzt wird. Die Terrassen sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern zeugen mit ihrem ausgeklügelten Bewässerungssystem von einer erstaunlichen Ingenieurskunst. Leider kann man den dort angebauten Reis nicht (oder nur sehr selten) probieren, denn das, was die ortsansässigen Familien anbauen, reicht lediglich zur Selbstversorgung. Zum Glück bietet der Tourismus den Einheimischen, die wohl zu den freundlichsten und warmherzigsten Menschen gehören, denen ich je begegnet bin, ein willkommenes Zubrot.

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Der Fluss, der für die Bewässerung dre Reisterrassen sorgt, lädt zu einre Abkühlung ein.
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Das Anlegen einer solchen Terrasse kann 100 Jahre oder mehr in Anspruch nehmen.
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Jedes Reispflänzchen muss einzeln gepflanzt werden – eine Arbeit, die vor allem die Frauen erledigen.
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Nicht nur Reis wird in Banaue angebaut – auch Anananas-Pflanzen säumen die Terrassen.
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Es fängt an zu regnen – Zeit, die Unterkunft zu erreichen.

Die Nacht verbrachten wir in einem kleinen, gemütlichen Guest House nicht weit von Batad. Das Abendessen war ausgezeichnet, nur Internet und Handyempfang darf man dort nicht erwarten. Insgesamt ist Banaue, aber auch die nahe gelegenen Orte Bontoc und Sagada, ideale Orte, um sich ohne ständige Erreichbarkeit über Whatsapp und Facebook zu erholen und die Natur zu genießen. Auf jeden Fall habe ich bisher an keinem Ort auf den Philippinen so gut geschlafen wie hier.

Am nächsten Morgen legten wir die restliche Strecke nach Batad zurück und wurden für den anstrengenden Aufstieg mit einer herrlichen Aussicht belohnt. Waren die Reisterrassen in Banaue bereits beeindruckend, so raubten mir die Terrassen von Batad schier den Atem. Vom Aussichtspunkt aus hat man einen weiten Ausblick auf die Terrassen mit ihren grünen Reispflanzen, neben denen die Menschen wie Ameisen wirken. Dazu noch die majestätischen Berge im Hintergrund – ein wahres Postkartenmotiv.

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Ein 2000 Jahre altes Kulturgut – die Reisterrassen von Batad

 

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Unser Weg führte uns entlang der Reisterrassen zu den Tappiyah-Wasserfällen, bei denen wir uns abkühlen und vom anstrengenden Abstieg erholen konnten (der Weg zu den Wasserfällen ist bei Touristen berüchtigt). Der Wasserfall beeindruckt durch seine Höhe – so hoch, dass der Wasserdruck es fasst unmöglich macht, direkt hin zu schwimmen. Die Tappiyah-Falls waren dann auch unser letzter Stopp, bevor wir uns auf den Weg zurück zu unserem Van machten, der uns das letzte Stück zurück nach Banaue brachte.

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Insgesamt ist Banaue für mich ein absolutes Muss auf jeder Philippinen-Reise, auch wenn der Weg dorthin eine Weile in Anspruch nimmt. Die Gegend unterscheidet sich landschaftlich vom Rest des Landes, die Kultur mit ihren Kunsterzeugnissen ist faszinierend, und in die Bergbewohner mit ihrer gelassenen, absolut offenen und freundlichen Art hatte ich mich bereits am ersten Tag verliebt. Wer mehr über die einheimische Kultur lernen möchte, kann auch das Museum in Banaue besuchen – eventuell wenn es regnet. Dies tut es nämlich in Banaue, aber in der Bergregion allgemein, mit schöner Regelmäßigkeit: Wasserdichte Kleidung ist also ein Muss. Außerdem sollte man sich auf etwas kältere Nächte einstellen, ich empfand die etwas milderen Temperaturen jedoch als willkommene Abwechslung zur Gluthitze Manilas, der Visayas und Palawans.

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