Borneo

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Nach insgesamt fast zwei Monaten wurde es Zeit, den Philippinen den Rücken zu kehren. Mein eigentlicher Plan war es, direkt nach Kuala Lumpur zu fliegen und nach einem kurzen Aufenthalt in Malaysia weiter nach Thailand zu reisen. Durch Zufall erfuhr ich jedoch von günstigen Flügen von Manila nach Kota Kinabalu. Den Ort musste ich erst einmal googlen und sah, dass er auf Borneo liegt, einer Insel, deren Teile zu Malaysia, Indonesien und Brunei gehören. Der malaysische Teil ist aufgeteilt in die zwei Provinzen Sarawak und Sabah, wobei Kota Kinabalu die Hauptstadt Sabahs ist.

Die Einreise nach Malaysia gestaltet sich relativ einfach. Man benötigt kein Visum, lediglich einen noch 6 Monate gültigen Reisepass. In Kota Kinabalu angekommen, fiel mir auf, wie sauber und ruhig die Stadt im Vergleich zu anderen südostasiatischen Städten ist. Kein Müll lag auf der Straße, keine Kinder bettelten mich an, kein Hupkonzert ertönte in den Straßen. Keine „Hey Joe!“-Rufe, niemand starrte mich mehr an – eine nette Abwechslung.

Malaysia ist definitiv mehr entwickelt als die Philippinen und Vietnam, dabei aber zumindest in den Städten außerhalb der Hauptstadt nicht viel teurer. Ein Bett im Schlafsaal bekommt man auch hier für 4-7 Euro und auch das Essen ist recht günstig. Lediglich Alkohol und Zigaretten sind recht teuer, damit sollte man sich eindecken, bevor man ins Land einreist.

Kota Kinabalu selbst ist eine moderne, dabei aber entspannte, keinesfalls überfüllte Großstadt, in der man gut ein paar Tage verbringen kann. Im Ausland bekannt ist der Ort vor allem für den nahe gelegenen Mount Kinabalu, den größten Berg Südostasiens. Der Aufstieg, der mindestens zwei Tage dauert, ist garantiert ein einmaliges Erlebnis, aber auch sehr teuer: 250 Euro muss man für Gebühren und Tour Guide mindestens ausgeben. Keine Option für Budget Traveller. Man kann jedoch für etwas weniger Geld auch am Fuß des Kinabalu Wandern gehen. Die Anreise von Kota Kinabalu aus dauert etwa 2 Stunden. Alternativ kann man auch zum Schnorcheln und Baden zu den Inseln vor Kota Kinabalu fahren.

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Natürlich hat auch die Stadt selbst ein paar Sehenswürdigkeiten zu bieten, darunter zum Beispiel den Night Market, auf der man alle möglichen Gerichte probieren kann, von gebratenem Fleisch über malaysische Nudelgerichte bis hin zu frischem Fisch und Meeresfrüchten. Der Markt ist denkbar einfach zu finden; man geht an der Uferpromenade entlang einfach in Richtung der dichten Rauchschwaden, die über den Essensständen hängen. Die Rauchentwicklung im Food Market ist teilweise grenzwertig, seine besten Klamotten sollte man jedenfalls nicht anziehen.

Die Stadt besitzt zwei Moscheen, die alle nicht weit vom Zentrum entfernt sind: zum einen wäre da die Kota Kinabalu City Mosque. Auf dem Weg zu dieser kann man sich den Atkinson Clocktower ansehen, ein Überbleibsel der kolonialen Vergangenheit. Wer sich für Mangroven interessiert, kann außerdem das Wetland Centre besuchen, das ebenfalls auf dem Weg liegt. Die City Mosque besticht durch ihre moderne Architektur und ist vor allem von außen recht hübsch anzuschauen. Will man hineingehen, muss man auf die Kleidung achten. Zu kurze Shorts bzw. Röcke gehen nicht, in dem Fall muss man sich für 5 RM (1 Euro) ein Gewand ausleihen. Der Innenraum sah jedoch 2018 noch sehr nach Baustelle aus und ist nicht wirklich sehenswert. Gleiches gilt für die Moschee Masjid Negeri Sabah. Ist man vor Ort, kann man sich auch gleich den nahe gelegenen Sikh-Tempel Guruduwara ansehen. Sonntags bekommen Besucher dort auch ein kostenloses Mittagessen, da es zu den religiösen Pflichten der Sikhs gehört, andere Menschen (nicht nur Arme) zu speisen.

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Atkinson Clocktower – das älteste Gebäude der Stadt
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Kota Kinabalu City Mosque
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Masjid Negeri Sabah
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Sikh-Tempel Guruduwara

Bako Nationalpark

Da das Wandern am Mount Kinabalu recht teuer ist, war ich auf der Suche nach einer günstigen Alternative. Meine Wahl fiel den Bako Nationalpark in der Provinz Sarawak. Um dorthin zu gelangen, nimmt man am besten den Flieger von Kota Kinabalu, der Flug dauert nur knapp eine Stunde.

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Vom Flughafen Kuching kann man in 20 Minuten zum Busbahnhof Kuching Central laufen. Gegenüber des Eingangs ist eine Bushaltestelle, von wo aus man den Bus in Richtung Kuching Central nehmen kann. Der Bus zum Nationalpark fährt jede volle Stunde gegenüber vom Elektra Haus ab und braucht noch einmal ca 40 Minuten. Alternativ kann man die Strecke auch mit Grab zurücklegen, was jedoch deutlich teurer ist. Am Pier angekommen, muss man noch einmal 20 RM (4 Euro) Eintritt und 40 RM (8 Euro) für das Boot bezahlen, das einen zum Nationalpark bringt.

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Dort angekommen, registriert man sich im Tourist Office. Übrigens hat man die Wahl, am gleichen Tag wieder zurückzufahren (in diesem Fall muss man um 15:00 Uhr wieder beim Boot sein), oder im Park zu übernachten. Es gibt verschiedene Optionen, die günstigste ist das Bett im Vierbett-Schlafsaal für gerade einmal 15 RM (3 Euro). Ich hatte Glück und musste den Schlafsaal nicht einmal mit jemandem teilen. Überrascht wird man vielleicht von den vielen Tieren, die um die Wohnbereiche, das Restaurant und das Tourist Office umherstreifen. Nicht nur die imposanten bärtigen Wildschweine sieht man dort, auch Makakken-Affen und die seltenen Nasenaffen sind dort zu sehen, haben auch nicht viel Scheu vor dem Menschen. Die Nasenaffen leben normalerweise in den Baumkronen, sodass man sie beim Wandern öfter hört als zu Gesicht bekommt. Einmal täglich ziehen sie jedoch zum Strand, um Nahrung zu suchen. Wenn man Glück hat, kann man sie also direkt beim Touristenzentrum sehen.

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Der Park bietet eine ganze Reihe von Wanderwegen, die durch eine abwechslungsreiche und malerische Landschaft führen. Mal geht es über Holzstege durch dichten Dschungel, mal durch Mangroven, in denen man kleine Schlammspringer beobachten kann. Dann führen schmale Pfade zu Küstenfelsen, von denen man eine herrliche Aussicht auf die Bucht unterhalb hat. Oder man erreicht nach langem Aufstieg ein Plateau mit mediterran anmutender Vegetation. Das einzige Manko ist die schwüle Hitze, die das Wandern sehr anstrengend macht. Man sollte also unbedingt genug Wasser einpacken. Auch Regenkleidung empfiehlt sich.

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Ein Highlight ist die Nachtwanderung, die man für 10 RM (2 Euro) buchen kann. Viele Tiere scheuen die Hitze des Tages und werden erst des Nachts so richtig aktiv. Die Guides sind mit Taschenlampen ausgestattet und weisen mit erstaunlicher Genauigkeit auf alle großen und kleinen Tiere hin, die man auf dem Weg sehen kann. Mit etwas Glück sieht man auch fliegende Limure in den Baumwipfeln. Ich hatte weniger Glück: hauptsächlich bekamen wir Frösche und Insekten wie riesige Tausendfüßler zu Gesicht; aber auch zwei schlafende Paradiesvögel und ein Kleinkantschil, auf Englisch Mouse Deer genannt – der kleinste Paarhufer der Welt.

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Semenggoh Nature Reserve

Südlich der Stadt Kuching kann man noch mehr Affen sehen, und zwar in der Semenggoh Nature Reserve, einer Aufzuchtstation, in der seit 20 Jahren verwaiste Orang Utans auf ein Leben in freier Wildbahn vorbereitet werden. Man kann dort nicht ohne Führung wandern, aber bei der zweimal am Tag stattfindenden Fütterung kann man die Menschenaffen gut sehen. Die Fütterung dauert von 09:00 – 10:00 und von 15:00 – 16:00 Uhr, Besucher zahlen 10 RM (2 Euro). Um 15:30 Uhr muss man sich auf den Rückweg machen, wenn man den letzten Bus nach Kuching erwischen will. Die Orang Utans sind durch einen Graben von den Besuchern getrennt, sodass man nicht zu nahe herankommen kann. Trotzdem kann man einen guten Blick auf die Affen erhaschen und ihr teilweise sehr menschenähnliches Verhalten studieren. Ein schöner Ausklang meiner (eigentlich ungeplanten) Reise auf die Insel Borneo.

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Bei der Fütterung waren ein großes Männchen und ein Weibchen mit Kind anwesend

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