Mein Leben in Chiang Rai (Teil 1)

Was ist das für ein Gefühl, als ich nach 10 Stunden Busfahrt in Chiang Rai aussteige? Nein, so etwas hatte ich in Thailand wirklich noch nie. Kälte! Es ist arschkalt hier früh am Morgen. Kein Wunder, sind wir hier doch in den Bergen und fast schon in Myanmar. Das Thai-Mädel neben mir im offenen Minibus ist am Zittern. Ich überlege, ob ich ihr meine Jacke anbieten soll. Wir fahren Richtung Innenstadt und die Sonne kommt langsam zum Vorschein. Als ich ankomme, haben sich die Temperaturen normalisiert. Ich sehe mich um: Das ist also die Innenstadt von Chiang Rai. Ich bin angenehm überrascht: viele Geschäfte und Restaurants, aber kaum Verkehr. Und das Beste: Man kann die Luft hier sogar atmen! Kein Vergleich zum smog-verpesteten Bangkok oder dem überfüllten Chiang Mai. Auch meine Unterkunft, das Sook Hostel, überzeugt mich. Die Zimmer sind sauber, es gibt eine eigene Küche, kostenloses Wasser und einen Roller-Verleih.

Nach einem kleinen Nickerchen auf dem Bean Bag gehe die Gegend erkunden. Das erste, was mich interessiert, sind die Preise. Hier an der Hauptstraße zahle ich 80 Baht für ein Gericht. Das ist nicht unbedingt teuer, ich hatte mir vom günstigen Norden jedoch mehr versprochen. Später finde ich Restaurants, in denen man für 40 Baht ein vollwertiges Essen bekommt. Man muss nur einmal von der Hauptstraße weg. Traut sich keiner der Touristen in die Nebenstraßen? Die meisten zieht es zum Night Market, einem großen Markt voller Verkaufstände, Klamotten und einer riesigen Essensmeile. Das wird für die nächsten Tage meine Anlaufstelle für den Mitternachtssnack. Quark gibt es ja in Thailand nicht, darum muss Hühnchen herhalten. Für 30 Baht auch gar nicht teuer.

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Auf dem Night Market gibt es allerhand Kleidung zu kaufen…
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…aber auch traditionellen, thailändischen (??) Federschmuck.
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Meine zweite Heimat: der Food Court des Nachtmarkts

Bei meinem Spaziergang am ersten Tag werde ich gleich wieder positiv überrascht. Geht man nur ein paar Schritte aus der Innenstadt raus, vergisst man fast, dass man in der größten Stadt der Provinz ist. Alles ist grün, die Vögel zwitschern, niemand stresst einen. Überhaupt stresst einen keiner hier. Der malerische Norden Thailands ist vom Massentourismus bisher verschont geblieben. Ein paar Backpacker kommen hierher, die meisten sind auf der Durchreise nach Laos und bleiben für ein paar Tage. Klar, die Party geht woanders. Aber nach dem wuseligen Treiben auf Bankoks Khaosan Road kann es für mich gar nicht ruhig genug sein.

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Durch die Stadt fließt der Kok River, der in Laos in den Mekong mündet.

Ich gehe vorbei am Wahrzeichen Chiang Rais, dem Clock Tower. Der goldene Uhrenturm ist nett anzuschauen, sieht aber (wie vieles komischerweise) auf den Bildern größer aus. Danach geht es an ein paar schönen Tempeln vorbei. Ich nehme mir vor, diese wann anders zu betreten, wenn ich lange Klamotten dabei habe. (Tempel soll man in Thailand ja nicht mit Tanktop betreten. Und zumindest in den nicht-touristischen Tempeln halte ich mich daran, ich will ja nicht noch mehr auffallen als ohnehin schon).

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Bevor ich zurückgehe und mein Zimmer beziehe, komme ich noch zufällig an einem kleinen Museum vorbei. Das Ferienhaus des ehemaligen Ministerpräsidenten Phibulsongkram besitzt einen schönen Park und eine kleine Ausstellung. Zwar ist alles auf Thailändisch, aber ich folge der Devise: Wenn es umsonst ist, kann man auch reingehen. Auf dem Weg zurück zum Hostel merke ich meine Müdigkeit. Zeit sich von der langen Busfahrt zu erholen. Ich werde ja, wenn es gut läuft, noch länger hier sein und alles ganz genau erkunden können.

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