Phu Chi Fa

Zwei Stunden von Chiang Rai entfernt liegt einer der schönsten, vielleicht der schönste Ort im thailändisch-laotischen Grenzgebiet. 1.628 Meter hoch ist der Berg Phu Chi Fa, der immer noch zu den Geheimtipps in Nordthailand gehört. „Geheimtipp“ in Anführungszeichen, denn bei Thailändern ist der Ort sehr beliebt. Dazu gesellen sich ein paar Farangs wie ich, die den wohl beeindruckendsten Sonnenaufgang Thailands erleben wollen.

— Für eine Kurzzusammenfassung der wichtigsten Tipps scrollt ganz runter! —

Die Anfahrt

Alleine dieser Punkt rechtfertigt einen eigenen Beitrag, denn im Internet kursieren viele Falsch- oder Teilinformationen darüber, wie man denn zum Phu Chi Fa kommt.

Eine günstige, aber vielleicht etwas anstrengende Möglichkeit ist es, sich für 200-300 Baht (5,50 – 8 Euro) einen Roller auszuleihen und die 90 Kilometer lange Strecke selbst zu fahren. Oft habe ich Bedenken gelesen, die Strecke wäre zu steil für einen 120ccm-Roller. Völliger Blödsinn. Die Straßen sind in Ordnung und der Verkehr hält sich in Grenzen. Außerdem kann man so an jedem View Point anhalten, der einem gefällt. Nur auf das Sitzfleisch geht die 2-stündige Fahrt natürlich.

Die zweite Möglichkeit ist der Bus von Chiang Rai. In diesen Genuss bin ich nicht gekommen, darum kopiere ich die Informationen schamlos aus WikiTravel: Während der Hauptsaison (wichtig!) könnt ihr zum Chiang Rai Bus Terminal 1 (den beim Nachtmarkt) gehen. Um 13:00 fährt von hier ein Bus nach Phu Chi Fa. Am nächsten Morgen um 08:00 Uhr fährt er wieder zurück. 300 Baht (8 Euro) kosten Fahrt und Rückfahrt. So, wie lange geht nun die Hauptsaison? Diese Frage kann ich nicht genau beantworten. Ich weiß nur, ich war letzte Woche (18. – 24.02.2019) beim Busbahnhof und habe den Bus gesehen. Gestern, am 25.02. war kein Direkt-Bus mehr verfügbar – die Hauptsaison war also just beendet. Demnach musste ich auf die dritte Möglichkeit zurückgreifen, die eher semi-optimal ist:

Die dritte Möglichkeit ist ein Bus von Chiang Rai nach Thoeng (alleine die Aussprache des kleinen Ortes ist eine Herausforderung, ungefähr so: „Tüeng“), der nur 35 Baht (1 Euro) kostet. Das ist der einfache Teil. In Thoeng müsst ihr dann auf einen blauen oder roten Songthaew (Minibus) umsteigen, der die restlichen 50 Kilometer nach Phu Chi Fah fährt. Der Preis richtet sich nach der Anzahl der Personen, die mitfahren. „Main Season many people!“ schwärmt mir Ruy, mein freundlicher Songthaew-Fahrer, vor. Aber natürlich bin ich an diesem Tag der einzige Farang, der dort hinwill. Dazu muss man auch sagen, dass ich zu spät von Chiang Rai losgefahren bin und erst um 16:00 Uhr in Thoeng war. Das Gute: Ich musste mir den Minibus mit niemandem teilen. Das Schlechte: Der Fahrer wollte 1300 Baht (36 Euro!) für Hin- und Rückfahrt. Eine solche Summe muss ich erst einmal mental verarbeiten. Ich wäge meine Möglichkeiten ab: Ich könnte wohl in Thoeng übernachten und am nächsten Tag noch einmal mein Glück mit den Songthaews versuchen. Aber Thoeng ist kein Touristenort. Ich habe keine Ahnung, ob es Hotels gibt und wieviel diese kosten. Und ich weiß auch nicht, ob ich mir am nächsten Tag den Minibus mit mehr Leuten teilen kann. Noch dazu würde ich so einen ganzen Tag verlieren.

Schließlich beisse ich in den sauren Apfel und steige ein, mit dem schwachen Trost, dass ich einen Busfahrer damit sehr glücklich mache. Und es hat auch etwas Stilvolles, alleine in einem Bus für 10 Personen zu sitzen. Auf dem Beifahrersitz natürlich. Ruy fragt sofort, ob ich schon etwas gegessen habe und ich verneine. Ein hungriger Farang, das geht natürlich nicht! Er fragt mich nach meinen kulinarischen Wünschen und ich erwidere das erste, was mir einfällt: Pat Thay. Unverzüglich fahren wir zu einem kleinen Restaurant. 40 Baht kostet dort das leckere Nudelgericht, plus 40 Baht für das Abendessen meines Fahrers, das er sich ohne große Gewissensbisse auf meine Rechnung einpacken lässt. Eine Selbstverständlichkeit, und was sind außerdem 1,20 Euro im Vergleich zu 36!

Auf dem Weg zum Berg holen wir noch ein paar Schulkinder von der nahen High School ab. Ich hatte mich schon gefragt, wovon Ruy lebt, wenn er einmal keine Touristen mitnehmen kann. Es kommt zu einer surrealen Szene, die wohl nur in einem Kaff in Nord-Thailand stattfinden kann. Sobald Ruy einparkt, ruft er eine Schar von Schülern herbei, die ihr Englisch an mir ausprobieren sollen. Bloß keine Schüchternheit, der Farang tut nichts! Unter großem Kichern halte ich mit den Teenagern kleine Dialoge ab: „How are you?“, „Where are you from?“, „Your English is very good“, ein paar Worte der Ermutigung. Laut Ruys Aussagen bin ich der erste Weiße, den die Kinder in echt gesehen haben. Ich hoffe, ich habe meine Art würdig vertreten.

Wir machen uns auf dem Weg zum Phu Chi Fa, und bereits am Fuß der Berge ist die Landschaft überwältigend schön. Ich protze mit meinen wenigen Thai-Kenntnissen und Ruy ist vollauf begeistert. Von den neuen Wörtern, die er mir auf der Fahrt beibringt, merke ich mir ein paar. Wir reden über das Wetter, deutsche Autos (Ruy lobt BMW und Mercedes in den höchsten Tönen, aber „Peeng maak – very expensive!“), deutsche und thailändische Frauen, Familie, Essen, die üblichen Themen eben. Die Gegend wird von den Hmong bewohnt, einem chinesisch-thailändischen Bergvolk, wie Ruy nicht müde wird zu betonen. Nach etwa einer Stunde kommen wir im Phu Chi Fah Nationalpark an.

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Von Chiang Rai nach Phu Chi Fa über Thoeng

Die Unterkunft

Auf der Fahrt musste ich, und müsst ihr die nächste Entscheidung treffen. Wo wollt ihr in Phu Chi Fa übernachten, um am nächsten Morgen den Sonnenaufgang anzuschauen? Hier gibt es im Grunde zwei Möglichkeiten: Resort oder Camping.

Resorts in Phu Chi Fah, so viel kann ich verraten, sind in der Hauptsaison richtig teuer. Die Preise fangen bei 400 Baht (11 Euro) an, aber auch 1000 Baht (27 Euro) sind schon einmal drin. In der Nebensaison könnt ihr, laut Ruys Angaben, ein Zimmer für 300 Baht (8 Euro) bekommen.

Ich wollte das Camping in Thailand ausprobieren. Direkt bei der Nationalpark-Verwaltung konnte ich mir ein kleines Zelt für 200 Baht (5,50 Euro) ausleihen, plus 50 Baht (1,40 Euro) für eine Decke. Ich bin der einzige Besucher auf dem Gelände. Ich nutze das letzte bisschen Tageslicht und sammle Holz. Bald schon habe ich ein passables Lagerfeuer am Brennen. Das Feuer, die weiten Hügel unter mir, der Sternenhimmel über mir – ich fühle mich schon teilweise für den hohen Fahrpreis entschädigt. Um 21:00 Uhr gehe ich schlafen, oder versuche es zumindest. Das Zelt ist nicht für Euroäer gebaut, auch wenn ich mich diagonal hineinlege, stoßen meine Füße an. Noch dazu veranstaltet der Hund des Parkwächters, mein einziger Gefährte in dieser Nacht, alle paar Minuten ein lautes Bellen vor meinem Zelt. Von etwas weiter entfernt höre ich die anderen Hunde antworten. So geht das die ganze Nacht, mehr als 3 Stunden Schlaf bekomme ich nicht. Dafür ist es nicht so kalt, wie ich befürchtet hatte, sogar ziemlich angenehm.

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Die Aussicht vom Zeltplatz

Der Aussichtspunkt auf dem Phu Chi Fa

Um 04:30 Uhr klingelt mein Wecker. Halb benommen taumele ich aus dem Zelt und mache mich auf den Weg zum Gipfel des Phu Chi Fa. Der Aufstieg ist nur 2,5 Kilometer lang, aber diese Kilometer haben es in sich. Es geht unverschämt steil nach oben, sodass ich trotz der kühlen Nachtluft schnell durchgeschwitzt bin. Die drei Hunde von gestern Nacht folgen mir schwanzwedelnd. Ab und zu fährt ein Auto an mir vorbei in Richtung Gipfel. Ich muss schon einen seltsamen Anblick abgegeben haben: Ein einsamer Farang, der sich im Dunklen mit drei Hunden im Schlepptau die Gebirgsstraße hochquält. Dafür funktioniert Google Maps auch hier im tiefsten Grenzgebiet noch erstaunlich gut (bitte nachmachen, Deutschland!) Nach ungefährt einer Stunde bin ich beim Base Camp des Phu Chi Fah angekommen, wo sich die Resortgäste bereit für den Aufstieg machen. In weiteren 10 Minuten bin ich auf dem Gipfel. Und merke: Ich bin viel zu früh da. Wenn ihr den Sonnenaufgang (zumindest im Februar) bewundern wollt, reicht es, wenn ihr um 06:00 Uhr am Gipfel seid. Dann füllt sich der Berg auch langsam mit Besuchern, die einen guten Spot erhaschen wollen.

Nach langem Warten ist es dann soweit. Über den Hügeln in Laos geht zaghaft die Sonne auf. Aus dem Nebel schälen sich dicht bewachsene Berge, die Sichtweite ist beeindruckend. Unten im Tal lässt sich ein kleines Dorf ausmachen. Sonnenaufgänge sind immer schön, aber der Anblick auf dem Phu Chi Fa ist wirklich ganz großes Kino. Da lohnt sich auch das frühe Aufstehen und der anstrengende Aufstieg.

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Eine etwas befremdliche Szenerie bietet sich dann, wenn der Morgen schon etwas fortgeschritten ist. Dann schleppen Hmong-Frauen ihre festlich gekleideten Kinder den Berg hoch und die Kleinen tanzen für die Touristen. Ein paar Besuchern schien es zu gefallen, aber mir war das richtig unangenehm. Andererseits gibt es für die Bergvölker außer dem Tourismus nur wenig Einnahmequellen.

Zurück am Fuße des Berges wurde es Zeit für einen Kaffee für 20 Baht, bevor es zurück nach Chiang Rai ging. Für mich hat sich der Ausflug nach Phu Chi Fa auf jeden Fall gelohnt und ich fasse die wichtigsten Tipps noch einmal zusammen:

Tipps für eure Reise nach Phu Chi Fa:

  • Mietet euch einen Roller, wenn ihr kein Problem damit habt, 2 Stunden zu fahren.
  • In der Nebensaison fährt kein Bus von Chiang Rai. Nehmt den ersten Bus nach Thoeng und wartet auf Mitreisende, damit ihr keine 1300 Baht zahlen müsst.
  • Camping in Phu Chi Fa ist billiger als ein Hotel, es gibt jedoch nur eine Decke als Unterlage.
  • Versucht, spätestens um 06:00 Uhr am Gipfel zu sein.
  • Nehmt euch eine Jacke mit, dort oben geht ein starker Wind.

Mehr Erlebnise und Ausflugstipps in und um Chiang Rai findet ihr in meiner Reihe „Mein Leben in Chiang Rai„.

 

One Comment on “Phu Chi Fa

  1. Hallo Tobi
    dein Bericht liest sich sehr schön und ich denke, jeder der schon mal auf eigene Faust in Asien war, kann sich vorstellen wie es so abläuft wenn man abseits der Routen unterwegs ist….
    Abenteuerlich allemal…
    Toll geschrieben. Gute und wichtige Details nicht weggelassen!!!
    Top!!!

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