Đà Nẵng

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Inhaltsverzeichnis

1. Drachenbrücke
2. Han Market
3. Kathedrale von Đà Nẵng
4. Pho Da Pagode
5. Trần-Thị-Lý-Brücke
6. Marble Mountains
7. My Khe Beach
8. Green Lake
9. Linh Ung Pagode


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Es wurde Zeit für mich, den Süden Vietnams hinter mich zu lassen und ein gutes Stück auf meinem Weg nach Hanoi zurück zu legen. Ich wollte nach Đà Nẵng, einer Millionenstadt in Zentralvietnam, etwa auf halber Strecke zwischen Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi. Der schnellste Weg dorthin wäre das Flugzeug gewesen – einen Flug hätte ich bereits für 40 Euro bekommen. Da ich genug Zeit hatte, wollte ich jedoch eine andere Option ausprobieren: den Wiedervereinigungs-Zug, der seit 1995 von Süden nach Norden fährt und auch in Đà Nẵng Halt macht. Die Fahrt dauert 17 (!) Stunden und Reisende haben vier Optionen: harter Sitz, weicher Sitz, hartes Bett, weiches Bett. Die ersten beiden schieden für mich aus – schließlich wollte ich einigermaßen bequem schlafen. Die teuerste Option wollte ich dann aber auch nicht nehmen, sodass ich mich für das harte Bett entschied. Der Preis betrug umgerechnet 20 Euro, die Hälfte des Flugtickets etwa. Ob die gesparten 20 Euro die Strapazen der Reise jedoch wert waren, ist eine andere Frage.

Die Abteile des Zuges sind mit sechs Betten ausgestattet, von denen jeweils drei übereinander liegen. Natürlich hatte ich das oberste Bett, und natürlich war es nicht für Europäer gebaut! In diesem Moment war ich sehr froh, dass ich nur 1,75 Meter groß bin, dennoch war mein Schlafplatz sehr beengt und erinnerte mich stark an meine letzte Untersuchung im Computertomographen, oder alternativ an meinen Abstieg in die Cu Chi Tunnel. Das harte Bett ist übrigens wirklich hart – hier wird nicht zu viel versprochen. Der Zug besitzt Steckdosen, Toiletten und Waschbecken; wer hungrig ist, kann sich Maiskolben und andere Snacks kaufen. Die Fahrt war erträglich: Trotz des starken Schaukelns konnte ich ein paar Stunden schlafen. Die restliche Zeit lenkte ich mich mit Fernsehen ab und freute mich auf ein richtiges Bett, in dem ich mir nicht ständig den Kopf an der Decke anstieß.

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Nichts für Menschen, die an Platzangst leiden – der Wiedervereinigungs-Zug

Nach 17 Stunden konnte ich es kaum erwarten, den Zug zu verlassen, und ich machte mich auf den Weg in mein Hostel, das Hachi Hostel, Đà Nẵng. Das Hostel ist empfehlenswert, die Bedienung kompetent. Nur ein Frühstück ist nicht inklusive, was jedoch in den meisten Hostels in Vietnam zum Standard gehört.

Nach einer kurzen Mittagspause erkundete ich die Stadt. Đà Nẵng erinnert definitiv an Ho-Chi-Minh-City, ist mit seinen etwa 1 Millionen Einwohnern jedoch deutlich kleiner und weniger chaotisch. Die Straßen sind sehr sauber, die Gebäude modern, und man merkt, dass Đà Nẵng als bedeutende Hafenstadt das Prestigeobjekt der Zentralregierung Vietnams ist. Davon zeugt besonders ein beeindruckendes Wahrzeichen: die Drachenbrücke. Die erst 2013 fertig gestellte Brücke ist vor allem Nachts sehenswert. Dann erstrahlt die an einen Drachen erinnernde Konstruktion in bunten Farben und speit an bestimmten Tagen sogar Feuer.

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Auch in Đà Nẵng gibt es einen großen Markt, den Han Market, auf dem man vor allem Kleidung, Obst und Souvenirs findet. Die Händler dort sind angenehmerweise weniger aufdringlich als in Ho-Chi-Minh-Stadt. Wer zu Fuß in der Innenstadt unterwegs ist, kann, wie ich, noch die Kathedrale von Đà Nẵng und die Pho Da Pagode besuchen: Der Eintritt ist kostenlos und man kann ungestört von vielen Touristen den geschmückten Innenraum bewundern.

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Nach Einbruch der Dunkelheit sollte man auch einmal über die Trần-Thị-Lý-Brücke südlich der Drachenbrücke laufen, deren Stahlträger nachts in ein buntes Farbenspiel getaucht werden. Bei einem Spaziergang an der fast menschenleeren Uferpromenade mit Blick auf die Lichter der Innenstadt ließ ich den Tag ausklingen.

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Tag 2: Marble Mountains, My Khe Beach, Green Lake & Linh Ung Pagode

Am nächsten Tag brach ich früh auf, um eine Hauptattraktion Đà Nẵngs zu besichtigen: die Marble Mountains. Dabei handelt es sich um fünf Berge im Süden von Đà Nẵng, die sich deutlich von der flachen Umgebung abzeichnen und die fünf Elemente Metall, Wasser, Feuer, Erde und Holz symbolisieren. Die Berge bestehen aus Kalkstein und Marmor. Aus letzterem stellten örtliche Steinmetze seit Jahrhunderten kunstvolle Statuen her und tun dies noch – auch wenn der Marmor jetzt größtenteils aus China und Pakistan importiert wird. Alle Berge beheimaten buddhistische Tempel und Schreine, die teilweise in Höhlen errichtet wurden.

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ein Skulpturengarten am Fuß der Marble Mountains
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Das Haupterzeugnis der Marble Mountains – religiöse Statuen aus Marmor

Besichtigen kann man übrigens nur einen der Berge, Thuy Son. Mit dem Taxi fuhr ich bis zum Fuß des Berges, suchte dann vergeblich den Eingang, stapfte mal wieder in anderer Leute (zugegebenermaßen wunderschönen) Vorgärten herum, bis mir der richtige Weg gewiesen wurde. Der Eintritt kostet 40.000 Dong (1,40 Euro), den Weg zum ersten Tempel kann man zu Fuß oder mit dem Fahrstuhl zurücklegen.

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Oben angekommen hat man verschiedene Optionen: Ich entschied mich dazu, zuerst die Haupthöhle zu besuchen, bevor die ersten Touristen ankamen. Und die Entscheidung war richtig! Die Atmosphäre in der menschenleeren Höhle mit ihrer aus dem Fels gehauenen Buddhastatue, den reich verzierten Schreinen, der leisen Musik und dem Duft der Räucherstäbchen war einmalig und sehr andächtig.

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Schnell war es jedoch vorbei mit der Besinnung. Um 09:00 Uhr kamen die ersten Busladungen mit Touristen an und der Berg füllte sich schnell. Ich besichtigte noch zwei andere Höhlen, die ich jedoch nicht der Rede wert fand, und wagte dann den Aufstieg zum höchsten Aussichtspunkt des Berges. Von dort hat man eine herrliche Aussicht auf die Stadt, das Hinterland und den Strand. Insgesamt kann ich die Marble Mountains nur weiter empfehlen. Zwar sind die Berge nicht besonders hoch, aber der Besuch Thy Sons hat mir gut gefallen: Die wunderschöne Tempelanlage, die beeindruckende Höhle und die vielen Marmorfiguren haben mir zwar nicht für Stunden gefesselt, aber ich hatte doch das zufriedene Gefühl, etwas in dieser Konstellation Einzigartiges gesehen zu haben.

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Eigentlich wollte ich anschließend zu My Khe Beach, dem bekanntesten Strand der Stadt. Auf dem Weg dorthin fiel mir jedoch auf, dass eine sehr breite Straße zu einem näheren Strandabschnitt führte, Sơn Thủy Beach. Dieser Strand hat mich wirklich positiv überrascht. Das Wasser war sauber und klar, der Sand weitgehend frei von Müll und – womit ich nicht mehr gerechnet hatte – der Strand war komplett menschenleer. Zur Zeit meines Besuches existierte auch noch nicht viel Infrastruktur an diesem Abschnitt, auch wenn gerade viele Hotels und Strandresorts gebaut wurden.

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Soll es auch noch geben – ein menschenleerer, sauberer Sandstrand

Weiter nördlich, am My Khe Beach findet man schon mehr Touristen, doch auch dieser Strand überzeugt durch Sauberkeit und weichen, feinen Sandstrand vor der Kulisse der Skyline und der Berge auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht.

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Sieht man in die Ferne, kann man bereits ein weiteres Wahrzeichen Đà Nẵngs sehen: die „Lady Buddha“ Statue in der Linh Ung Pagode, 9 km vom Strand entfernt. Dabei handelt es sich um eine 67 m hohe Darstellung Guanyins, des Boddhisatvas des Mitgefühls. Als mütterliche Figur, bei der alle Wesen Zuflucht und Trost finden, ist Guanyin ein beliebtes Objekt der Anbetung in Ostasien. In ihrer Rolle als Meeresgöttin wird sie vor allem von Fischern und Seeleuten angebetet, darum ist die 2010 fertig gestellte Statue auch dem Meer zugewandt und wacht über die Bucht zu ihren Füßen.

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Weithin zu sehen – die Lady Buddha Statue

Auf dem Weg zur Statue wollte ich ein weiteres Wahrzeichen Đà Nẵngs besuchen: den Green Lake. Dieser war zwar nicht so grün, wie ich erwartet (und in anderen Reiseberichten gelesen) hatte, jedoch trotzdem sehenswert. Bis auf ein paar angelnde Locals waren hier zur Mittagszeit keine Besucher.

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Wer jedoch einen wirklich malerischen See zu Gesicht bekommen will, sollte den Weg zur Lady Buddha Statue zu Fuß zurücklegen und nach etwa 20 Minuten einen kleinen Wanderweg einschlagen. Dort, nahe der Bucht, konnte ich unweit der Hauptstraße fast unberührte Natur erleben. Überhaupt hat mir die Landschaft mit ihren Hügeln, Steilküsten und Nadelbäumen sehr gefallen – ein willkommener Kontrast zu den Palmen und Dschungeln, die ich bisher gesehen hatte.

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Nach einer Schweiß treibenden, einstündigen Wanderung, bei der das lächelnde Antlitz Guanyins mich trotz unerträglich schwüler Hitze zum Weiterlaufen motivierte, war ich bei der Linh Ung Pagode angekommen. Der Tempelkomplex ist relativ neu und wurde erst 2010 fertig gestellt, auch wenn dort seit längerem ein buddhistischer Schrein steht. Hier kann man neben der Lady Buddha Statue auch den Hauptschrein sowie eine angrenzende mehrstöckige Pagode besichtigen.

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Wo der Boddhisatva des Mitgefühls steht…
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…kann auch der lachende Buddha nicht weit sein.

Nach dem Besuch des Tempels hatte ich das Gefühl, alle wichtigen Attraktionen Đà Nẵngs gesehen zu haben, und machte mich erschöpft, aber zufrieden auf den Weg zurück in mein Hostel. Mein finales Urteil?

Mir wurde von verschiedenen Seiten geraten, für das nahe gelegene Hoi An zwei oder drei Tage, für Đà Nẵng jedoch nur einen Tag einzuplanen. Diesem Ratschlag kann ich mich nicht anschließen. Đà Nẵng mag keine Touristenhochburg sein (zumindest noch nicht), bietet aber mit den Marmorbergen und der Linh Ung Pagode genug Aktivitäten für zwei Tage. Und wem nicht der Sinn nach Sightseeing steht, der kann auch einfach am wenig überlaufenen My Khe Strand entspannen oder über den Han Market schlendern. Đà Nẵng ist modern, sehr sauber und bietet moderate Preise. Mein einziges Manko, aber das kann man der Stadt kaum zum Vorwurf machen: Alles wirkt etwas zu groß für die tatsächliche Menge an Menschen. Damit meine ich nicht die Straßen: Diese sind auch hier zur Rush Hour vollgestopft. Ich meine eher die Fülle an Bars und Restaurants, die jedoch (zumindest unter der Woche) kaum besucht sind. Nach 22 Uhr fand ich nur eine Geisterstadt mit leeren Straßen vor, was am Wochenende anders sein mag, mich aber bei so einer Großstadt stark überrascht hat. Wer sich also mit einer Horde gleichgesinnter Backpacker ins Nachtleben stürzen will, ist in Ho-Chi-Minh-Stadt, Saigon, und sogar im unweit entfernten Hoi An besser aufgehoben. Trotzdem war Đà Nẵng für mich ein überraschend-lohnenswerter Stopp auf meiner Reise in den Norden Vietnams.

Mekong-Delta

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Weil ich schon einmal in Südvietnam war, wollte ich unbedingt das Mekong-Delta sehen, eine ausgedehnte Flusslandschaft, in der etwa 17 Millionen Menschen leben. Mich interessierte vor allem, wie die Menschen am und auf dem Fluss lebten, außerdem reizte mich die Landschaft und ich wollte einen schwimmenden Markt besuchen. Ein Tag erschien mir zu wenig – allein die Anreise von Ho-Chi-Minh-Stadt nach Cần Thơ dauert 4 Stunden – darum entschied ich mich für eine zweitägige Tour. Der Trip wurde von meinem Hostel organisiert, darum weiß ich den Namen des Veranstalters leider nicht. Es war irgendetwas mit „AN Travel“, sicher bin ich mir jedoch nicht mehr. Auf jeden Fall sollte die Tour 30 Euro für 2 Tage kosten, inklusive Unterbringung im Homestay, Mittagessen und Abendessen. Zumindest am ersten Tag waren also alle Kosten abgedeckt, aber dazu später mehr.

Los ging es von Ho-Chi-Minh-Stadt aus mit dem akklimatisierten Reisebus, in dem ich wieder einmal den Beifahrersitz ergattern konnte. Unser Reiseführer stellte sich als Liem vor, wir durften ihn jedoch auch Slim oder Handsome Slim nennen. Ähnlich ausgefallene Witze zogen sich in gebrochenem Englisch für den Rest der Tour fort. Erster Stopp war Vĩnh Tràng, eine beeindruckende Tempelanlage und Ort dreier großer Buddhastatuen. Diese stellte uns Liem als Buddha der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft vor. Viel mehr Informationen waren aus unserem Reiseführer nicht herauszukitzeln. Da mir diese Figuren jedoch auf meiner Vietnamreise noch häufiger begegnen sollten, habe ich einmal über deren Hintergrund recherchiert.

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Dipankara, der Buddha der Vergangenheit – erlangte die Erleuchtung Tausende von Jahren vor dem jetzigen Buddha. Formt mit der Hand (seltsamerweise mit der linken) ein schützendes Handzeichen oder Mudra.

 

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Der liegende Buddha – eine Darstellung des historischen Buddha Shakyamuni, kurz bevor er in das Parinirvana, das Nirvana nach dem Tod des Körpers, eintritt.
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„Smiling Buddha“ oder „Fat Buddha“ – diese Statue kennt man aus vielen chinesischen Restaurants in Deutschland. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um den historischen Buddha Shakyamuni, sondern um Budai, eine Verkörperung des Maitreya. Dieser soll in einer fernen Zukunft, wenn die Lehre des letzten Buddha auf der Welt vergessen ist, auftreten und alle Wesen zur Erleuchtung führen.
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Was für ein Anblick! Und der Tempel im Hintergrund ist auch nicht übel.

 

Nach dem Tempel fuhren wir mit dem Bus weiter und gelangten bald endlich zum Ufer des Mekong, wo wir auf unser erstes Boot stiegen. Weit kamen wir jedoch nicht. Unser nächster Stopp war Unicorn Island, eine kleine Insel, auf der wir Honigtee probieren sollten. Der Tee, serviert mit Trockenfrüchten, war wirklich gut, wenn auch etwas süß. Der Honig soll übrigens alle möglichen Beschwerden heilen, von Herzproblemen bis Impotenz…

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Weiter ging es zur nächsten Insel, auf der wir tropische Früchte probieren durften. Die Kostprobe war wirklich gut, hier fiel mir jedoch bereits das Muster auf, nach dem diese Tour verlaufen sollte: Irgendwo hinfahren, kostenlos etwas probieren und dann zum Kauf animiert werden. Das hat etwas von Kaffeefahrt und erklärt wohl den günstigen Preis der Tour. Besonders gestört hat es mich jedoch nicht, da diese Dinge alle neu für mich waren und mich wirklich interessierten. Dennoch fühlte sich die Tour nach Massenabfertigung an: Alle Besucher werden wie durch eine Drehtür zu den gleichen Spots bugsiert, die Erfahrung ist für alle mehr oder weniger die selbe.

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Gleich nach der Kostprobe folgte jedoch eine sehr schöne Etappe: Wir stiegen auf ein kleines Ruderboot um, bekamen einen Strohhut aufgesetzt und wurden durch einen schmalen Kanal zu einem größeren Arm des Mekong gepaddelt. Die Fahrt war trotz der schwülen Hitze sehr entspannend und der Anblick des hoch bewachsenen Flussufers reizvoll. Dafür verzieh ich auch gerne die Spritzer schmutzigen Mekong-Wassers, die ich abbekam.

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Auf dem Hauptarm des Flusses angekommen, stiegen wir auf ein größeres Boot um und wurden – wie sollte es anders sein – zu einer weiteren Kostprobe gefahren. Diesmal sahen wir dabei zu, wie Kokosnuss-Bonbons hergestellt wurden und durften selbst welche probieren. Diese schmeckten mir so gut, dass ich dankbar eine Packung Bonbons erwarb, die mir vor allem auf der Zugfahrt nach Đà Nẵng das Leben retten sollten.

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Leider recht verdreckt und unspektakulär – der Mekong in der Nähe von Mỹ Tho.

Anschließend erhielten wir auf der gleichen Insel unser Mittagessen, entweder Reis mit Schweinefleisch, das im Tourpaket inbegriffen war, oder ein Fischgericht für 200.000 (!) Dong. Danach folgte die Mittagspause – Zeit zur freien Verfügung. Ich sah mir die Krokodile an, die wohl vor vielen Jahren einmal frei im Fluss herum geschwommen waren, jetzt jedoch in einem – wie sollte es in Vietnam anders sein – sehr engen Becken gehalten wurden und zur Belustigung der Touristen mit Fleisch gefüttert wurden. Anschließend legte ich mich in eine der Hängematten, bevor unsere Fahrt weiterging.

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Mit dem Bus fuhren wir weiter nach Cần Thơ, der größten Stadt im Mekong-Delta. Allerdings sahen wir nicht viel von der Stadt: Es war bereits früh am Abend und Zeit, in unsere Unterkunft zu gehen. Unsere Gruppe teilte sich in zwei Hälften: Die einen hatten ein Zimmer im Hotel gebucht (das praktischerweise der Organisation gehört, die auch die Touren anbietet), die andere Hälfte, zu der auch ich gehörte, war in einem Homestay untergebracht. Also ging es wieder auf ein kleines Boot, diesmal ein motorisiertes, und wir fuhren einen Nebenarm des Mekong entlang zu unserem Homestay. Die Fahrt hat mir gut gefallen, besonders weil außer dem Motor nur das Zirpen der Grillen zu hören war. In der abendlichen Dämmerung im Schatten der Baumwipfel hatte ich fast das Gefühl, wie in Apocalypse Now flussaufwärts ins Herz der Finsternis zu fahren. Unser Homestay entpuppte sich dann aber zum Glück nicht als finstere Absteige, sondern war sehr gemütlich, mit großen Zimmern, Moskitonetzen (die man so nah am Fluss auch braucht) und einem sehr leckeren Abendessen: Wir konnten unsere eigenen Frühlingsrollen mit Reispapier zubereiten, dazu gab es Gemüse, gekochten Fisch und Mango zum Nachtisch. Eine Flasche Reiswein für 40.000 Dong (1,43 Euro) in geselliger, internationaler Runde machte den Abend perfekt.

 

Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen, denn nach dem Frühstück um 06:00 Uhr stand noch ein Besuch des schwimmenden Marktes an: für mich einer der Hauptgründe, das Mekong-Delta zu besuchen. Vorgestellt hatte ich mir das:

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Quelle: Wiki Commons

Bekommen hatte ich das:

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Zugegeben: Der Reiseveranstalter hatte nicht zu viel versprochen: Es handelte sich definitiv um einen Markt, und die Verkäufer kamen mit Booten. Also war es ein schwimmender Markt. Natürlich war der Markt nicht so farbenfroh und traditionell wie das oben zu sehende Foto aus Thailand. Aber mal im Ernst – der Mekong ist ein großer Fluss und warum sollten die Händler noch mit kleinen Ruderbooten herumpaddeln, wenn sie ihre Ware mit Motorbooten viel schneller und einfacher an den Mann (und an Touristen) bringen können? Der Markt war trotzdem eine spassige Erfahrung: Viele Mangos und Kokusnüsse wanderten von den schwimmenden Verkaufsständen in unser Boot; ich gönnte mir einen Kaffee für 20.000 Dong (0,70 Euro) – auch nicht teurer als auf dem Festland. Unterhaltungswert hatte der Besuch des Marktes auch, da uns eine ältere vietnamesische Händlerin gute 10 Minuten von ihrem Boot aus beschimpfte, weil wir nichts bei ihr gekauft hatten. Ein Foto habe ich aus Sicherheitsgründen nicht gemacht – auf den Kamikaze-Angriff einer wütenden Seniorin mit anschließendem Bad im verdreckten Mekong konnte ich gerne verzichten.

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Der schwimmende Markt ist nicht nur für Touristen – viele Einheimische kaufen und verkaufen dort Produkte.

 

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Der schwimmende Markt war dann auch die letzte große Station an diesem zweiten Tag: Wir steuerten mit unserem Bus noch einen Rastplatz an, wo wir Delikatessen wie gebratene Froschschenkel und Schlange probieren und einen kleinen Becher Kokusnussschnaps versuchen konnten. Die Froschschenkel waren knusprig und ohne besonderen Eigengeschmack, der Kokusnusswein kräftig, aber mild. Anschließend ging es zu einer ausgedehnten Obstplantage, auf der unser Guide uns die verschiedenen (teilweise riesigen) Früchte zeigte, bevor wir – oh Wunder! – selbst ein paar Früchte erstehen konnten. Die Preise waren unverschämt hoch und die Händler ließen, anders als auf vielen vietnamesischen Märkten – nicht mit sich feilschen. Und warum sollten sie auch? Selbst wenn ich nichts kaufte – die nächste Reisegruppe voller Touristen mit vollen Geldbeuteln und nur vagen Kenntnissen des Wechselkurses war bereits auf dem Weg. So teilte ich mir eine Drachenfrucht für 20.000 Dong mit zwei Engländern und hatte so auch Geld gespart.

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Örtliche Delikatessen – Froschschenkel, Schlange und getrockneter Fisch

Auf dem Rückweg nach Ho-Chi-Minh-Stadt machten wir wieder Halt beim Hotel, wo wir unser Mittagessen in einem Restaurant zu uns nahmen, das clevererweise dem gleichen Veranstalter gehörte. Eine andere Option gab es nicht, und zahlen mussten wir diesmal auch selber. Wie bei den Cu Chi Tunneln musste ich hier wieder über die Geschäftstüchtigkeit der Vietnamesen staunen: Wenn man wirklich Geld machen will, dann lohnt es sich wohl, alles aus einer Hand anzubieten: Touren, Restaurants, Hotels – dann lässt man den Gästen keine Wahl und kann die Preise diktieren. Fairerweise muss ich aber dazu sagen, dass die Preise im Restaurant nur leicht über dem Durchschnitt lagen und das Essen wirklich gut war.

Und so hinterließ mich meine Tour im Mekong-Delta auch mit einem deutlich positiven Gefühl, und das nicht nur aufgrund unserer tollen Reisegruppe. Ja, die Tour hat definitiv Kaffeefahrt-Charakter, und wenn man mehrere davon macht, wird es sich kaum vermeiden lassen, dieselben Touristenfallen mehrmals anzusteuern. Und dann kann es sicherlich ermüdend sein, sich zum fünften Mal anzusehen, wie Reispapier hergestellt und Papayas angebaut werden. Aber für mich war, wie gesagt, alles noch neu und so fügte ich mich der Tatsache, dass alles auf dieser Tour streng durchgetaktet war und ich keine eigenen Entscheidungen treffen konnte (oder musste). Auch das kann ganz angenehm sein und vermieste mir die Erfahrung im Mekong-Delta überhaupt nicht.

Die Flusslandschaft an sich ist auch durchaus interessant anzusehen, man sollte jedoch keine überwältigenden Naturkulissen erwarten, zumindest nicht überwiegend. Es handelt sich um eine hoch entwickelte, dicht besiedelte Region; dementsprechend ist der Mekong auch eine trübe, braune Kloake und stark zugemüllt. Einige Ecken auf unserer Tour waren jedoch ganz reizvoll und vor allem war es für mich als deutscher Flachlandbewohner faszinierend zu sehen, wie die Menschen an den Ufern dieser gigantischen Lebensader wohnen und arbeiten.

Cu Chi Tunnel

Wie schon erwähnt, spielt der Vietnamkrieg (1955–1975) immer noch eine wichtige Rolle im kollektiven Bewusstsein der Vietnamesen. Im War Remnants Museum in Ho-Chi-Minh-Stadt kann man sich über diesen Konflikt informieren. Wie das Leben im Krieg für die tausende Soldaten der nordvietnamesischen Armee in Südvietnam (Vietcong) aussah, erfährt man bei den Cu Chi Tunneln, 70 km von Ho-Chi-Minh-Stadt entfernt. Bei den Tunneln handelt es sich um ein Netzwerk, durch das nordvietnamesische Guerillas nach Südvietnam einsickerten. Mit seiner Nähe sowohl zum benachbarten Kambodscha als auch zu Saigon war das Tunnelsystem, das inmitten ausgedehnter Kautschukplantagen liegt, die ideale Basis für Angriffe auf die Hauptstadt Südvietnams. Dementsprechend hart umkämpft war das Gebiet. US-Amerikanische und südvietnamesische Soldaten versuchten mit allen Mitteln, die Tunnel zu lokalisieren und zu zerstören, während Vietcong-Kämpfer ein Katz-und-Maus-Spiel mit dem übermächtigen Gegner spielten und dabei viel Einfallsreichtum an den Tag legten.

Die Auswahl an Touren ist groß: Ich entschied mich für die halbtägige Tour mit Vietnam Travel Group für etwa 15 Euro. Man kann auch Touren für mehr oder weniger Geld bekommen, ich fand den Preis jedoch angemessen. Abholung beim Hostel, akklimatisierter Van und ein Mittagessen waren im Preis inbegriffen und der Kaffeefahrt-Faktor (mehr dazu im Beitrag über die Mekong-Delta-Tour!) hielt sich in Grenzen. Auch war unser Guide, Joey, sehr freundlich, motiviert und kompetent.

Die Fahrt zu den Tunneln dauert je nach Verkehrslage 1–2 Stunden, wir machten jedoch einen Zwischenstopp bei einem Rastplatz – nicht nur, um den „Happy Room“ aufzusuchen, sondern auch um eine Kunstwerkstatt zu besuchen, die von Opfern des Entlaubungsmitteln Agent Orange betrieben wird. Die Invaliden stellen dort aus natürlichen Zutaten wie Eierschalen und Muschelschalen beeindruckende Kunstwerke her, die man im Shop des Atteliers käuflich erwerben kann.

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Bei den Tunneln angekommen, die bereits mit Massen an hauptsächlich japanischen Touristen überfüllt waren, sahen wir uns zuerst eine „Dokumentation“ über die Geschichte der Tunnel während des Krieges an, die jedoch eher an Kriegspropaganda erinnerte und die Errungenschaften besonders ausgezeichneter „American Killer“ feierte. Eine ausgewogene Beleuchtung der Kriegsverbrechen beider Parteien sucht man hier, wie auch in Ho-Chi-Minh-City, vergebens. Danach führte uns Joey durch einen Kautschukwald und zeigte uns verschiedene Nachbauten aus der Kriegszeit. Sehr erschreckend fand ich die Fallen, die von den Vietcong-Soldaten gelegt wurden, um die amerikanischen Soldaten zu dezimieren – darunter getarnte Falltüren mit angespitzten Bambuspflöcken und tödliche schwingende Pendel.

 

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Möchte man nicht an den Kopf bekommen – eine mit Nageln gespickte schwingende Kugel

Die Genialität der Nordvietnamesen beschränkte sich jedoch nicht auf das Legen von Fallen: Ausgeklügelte Belüftungssysteme, unterirdische Werkstätten und Küchen, sogar Schuhe, die verkehrt herum beschlagen waren, um den Gegner in die Irre zu führen, zeugen von einem Einfallsreichtum, der die größte Supermacht der Welt trotz technischer Überlegenheit nicht viel entgegen zu setzen hatte.

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Auch einen zerstörten amerikanischen Panzer kann man besichtigen und erklettern.

Wenn man die Exponate abschreitet, kann man aus der Ferne bereits Schüsse hören. Diese stammen von einem Schießplatz, auf dem man selbst die Waffen aus dem Vietnamkrieg, darunter AK 47 und das amerikanische M60 Maschinengewehr ausprobieren kann. Für viele ist dies wohl ein Highlight der Tour – ich entschied mich jedoch dagegen. Zum einen fand ich den Preis von umgerechnet 25 Euro für 10 Patronen sehr teuer (weniger als 10 Kugeln sind nicht möglich); zum anderen hätte ich ein komisches Gefühl gehabt, in der Gegenwart eines Mitglieds unserer Tour – eines australischen Vietnamveteranen – mit Gewehren herumzuspielen, die er eventuell im Ernstfall benutzen musste. Der Schießstand war für mich auch ein perfektes Beispiel dafür, wie die Vietnamesen mit ihrer Kriegsvergangenheit umgehen: Einerseits werden die Kriegsverbrechen des Westens schonungslos und in ernstem Ton dokumentiert; andererseits hat man kein Problem, westliche Touristen bei einem Mahnmahl des Krieges „Rambo-Man“ spielen zu lassen, was die Ernsthaftigkeit der Geschichtsaufarbeitung etwas trübt. Man stelle sich einmal vor, französische Fremdenführer würden beim Denkmal der Schlacht von Verdun einen Schießplatz aufstellen und damit Geld verdienen. Doch das hier ist Vietnam und derselbe Einfallsreichtum, mit dem die Vietnamesen vor 40 Jahren die Feinde aus dem Land getrieben haben, spült heute das Geld in die Kassen der Tourismusindustrie. Und wer hätte schon das Recht, das zu kritisieren?

Während einige Mitglieder meiner Gruppe also ihren juckenden Abzugsfinger befriedigten, sah ich mir mit den Anderen an, wie Reispapier hergestellt wird – ein friedliebendes, nicht ganz passendes, aber interessantes Kontrastprogramm.

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Auf Bambusmatten wird das Reispapier zum Trocknen ausgelegt.

Weiter ging es mit meinem persönlichen Highlight: Endlich durften wir selbst in die Tunnel steigen, in denen die vietnamesischen Kämpfer einst gelebt hatten. Die Tunnel wurden extra für westliche Touristen breiter gebaut, sind aber trotzdem so eng, dass man nur gebückt laufen kann. Die schwüle Hitze trägt zum beklemmenden Gefühl bei und nur 20 Meter im Tunnel brachten mich heftig ins Schwitzen. Dafür wurden wir nach unserem Aufstieg ans Tageslicht mit einer örtlichen Delikatesse belohnt: Dem Cu Chi Hamburger. Dabei handelt es sich um gekochte Manjok-Wurzel, ein Hauptnahrungsmittel der Vietcong-Kämpfer im Krieg. Mit gemahlenen Erdnüssen und Zucker auch gar nicht übel.

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Bevor es zurück zum Van ging, zeigte uns Joey noch einen der Eingänge, durch die die Kämpfer damals die Tunnel betraten. Jeder von uns durfte sich einmal durch den engen Eingang zwängen und die getarnte Falltür hinter sich zumachen. Ein sehr enges Erlebnis, aber durchaus spaßig. Auf dem Rückweg nach Ho-Chi-Minh-Stadt erhielten wir schließlich unser Mittagessen und ich machte mich auf den Weg zum Hostel. Insgesamt kann ich die Tour nur empfehlen. Die Cu Chi Tunnel sind ein Muss, wenn man in Ho-Chi-Minh-City ist und eine wichtige Episode der Vietnamesischen Geschichte hautnah erleben will, anstatt sie nur im Museum kennen zu lernen.

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Ho-Chi-Minh-Stadt

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Es wurde Zeit für mich, El Nido und den Philippinen auf Wiedersehen zu sagen. Vorher stand jedoch noch ein Flug nach Manila an – vom kleinsten Flughafen, den ich je gesehen hatte. So weit ich weiß, wird El Nido nur von einer Airline angesteuert – Air Swift. Die Suche nach dem richtigen Gate gestaltet sich dementsprechend einfach. Die Entfernung von El Nido nach Ho-Chi-Minh-Stadt ist nicht dramatisch – dennoch sollte es (mit Aufenthalten in Manila und Kuala Lumpur und einer dreistündigen Verspätung) knapp 20 Stunden dauern, bis ich endlich vietnamesischen Boden berührte! Die Einreise, das Geldabheben und der obligatorische Kauf einer SIM-Karte gestaltete sich dann dankenswerterweise recht unkompliziert. Trotzdem war ich froh, als ich endlich von meinem freundlichen Uber-Fahrer beim Himalaya Phoenix Hostel (das ich sehr empfehlen kann!) abgesetzt wurde.

Ho-Chi-Minh-Stadt, ehemals Saigon genannt, ist seit 1975 die Hauptstadt des wiedervereinigten Vietnams und die größte Stadt des Landes. Die Metropole besteht aus 19 Distrikten – die meisten Reisenden werden sich jedoch hauptsächlich im ersten Distrikt aufhalten. Hier im Zentrum der Stadt befinden sich die meisten Touristenattraktionen, Hotels und Hostels. Der Disktrikt ist nicht zu groß, um zu Fuß erkundet zu werden, und so suchte ich mir eine schöne Route aus, um die wichtigsten Attraktionen abzuschreiten. Beim Laufen bestätigte sich mein Eindruck vom Vortag: Ho-Chi-Minh-Stadt ist eine riesige, laute, überfüllte Stadt, jedoch meiner Meinung nach nicht auf unangenehme Weise. Auf meinem verrückte-Großstadt-Index würde sie noch deutlich unter Mumbai rangieren, etwa gleichauf mit Manila. Einschüchternd ist natürlich der Verkehr: Auf den Straßen tummeln sich unzählige Motorroller neben den wenigen Autos und das Überqueren der breiten Straßen kann zur Herausforderung werden. Meiner Erfahrung nach hat der Wahnsinn auf den Straßen jedoch Methode und man bekommt mit der Zeit ein Gefühl dafür, auch als Fußgänger im Verkehrsfluss mit zu fließen. Auch wenn die Luft von den vielen Vehikeln stark verpestet ist, gibt es viele Bäume und Parks, und die Stadt hat definitiv ihre schönen Seiten.

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Mein erster Anlaufpunkt war der Ben Thanh-Markt. Ohne Anstalten, etwas zu kaufen, schlenderte ich durch den geschäftigen Markt – beziehungsweise versuchte ich zu schlendern. Die Verkaufsversuche der Händler waren jedoch derart penetrant, dass ich schnell einen Gang zulegte. Hier bekommt man alles von Fisch, über Gemüse bis Kleidung, Schmuck und Kunstwerke. Kann man sich einmal ansehen, wenn man ohnehin in Distrikt 1 ist.

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Wer Trockenfrüchte mag, kann hier gleich kiloweise zuschlagen!

Es ging weiter zum Wiedervereinigungspalast. Das geschichtsträchtige Gebäude kann man auch von innen besichtigen – der Preis von 40.000 VND (1,4 Euro) erschien mir jedoch etwas zu hoch. Diese Meinung wurde von anderen Reisenden, die ich in Ho-Chi-Minh-Stadt traf, bestätigt.

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Ich wollte dieses Geld lieber für eine andere Attraktion ausgeben, auf die ich sehr gespannt war: Das War Remnants Museum. Obwohl der Vietnamkrieg nun bereits seit über 40 Jahren vorbei ist, wird man noch an vielen Orten in Distrikt 1 daran erinnert – sei es in Form von Mahnmahlen oder Plakaten. Im War Remnants Museum erfährt man mehr über den Krieg, der über 3 Millionen Vietnamesen das Leben kostete und für die Supermacht USA die größte Demütigung ihrer Geschichte darstellte. Das Museum bietet neben Exponaten wie Flugzeugen, Hubschraubern und Waffen auch eine Sonderausstellung über ein Kriegsgefangenen-Lager in Saigon. Diese stellt die grausame Behandlung der Gefangenen in den Vordergrund und ist definitiv nichts für schwache Nerven. Insgesamt sind viele der Ausstellungen – etwa über Kriegsverbrechen und die Auswirkungen des Entlaubungsmittels Agent Orange – sehr bedrückend und verstörend. Etwas Vorwissen über den Vietnamkrieg sollte man ebenfalls mitbringen, da ein grober historischer Überblick kaum gegeben wird. Einen Großteil der Sammlung machen Kriegsfotografien aus, die wirklich sehr interessant, in ihrer Fülle jedoch erschlagend sind. Das Museum bemüht sich, auch die amerikanische Perspektive auf den Krieg zu zeigen – etwa in der Sonderausstellung über die Anti-Kriegs-Bewegung in den USA – bleibt dabei jedoch recht einseitig. Dies soll nicht als Vorwurf gemeint sein oder einen der schlimmsten Aggressionskriege der neueren Geschichte verharmlosen. Französische und amerikanische Kriegsverbrechen zu dokumentieren, ist wichtig zur Aufarbeitung dieses Konflikts. Informationen zu nordvietnamesischen Kriegsverbrechen – etwa Gräueltaten gegen die eigene Bevölkerung, systematische Exekutionen von Zivilisten während der Tet-Offensive und die Misshandlung amerikanischer Kriegsgefangener sucht man im Museum jedoch vergeblich. Es wäre natürlich auch unfair, westliche Standards auf die vietnamesische Regierung anzuwenden, die den Vietnamkrieg als triumphales Symbol und auch als Einnahmequelle braucht – wie der Bericht über meinen Besuch der Cu Chi Tunnel näher beleuchten wird.

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Während des Krieges wurden über 7 Millionen Tonnen Bomben über Vietnam abgeworfen.

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Nach dem War Remnants Museum ging es weiter zum Phuoc Hai Tempel, auch als Jade-Kaiser-Pagode oder Schildkrötenpagode bekannt. Der buddhistische Tempel ist nicht besonders groß, aber besonders im Innenraum sehr prächtig gestaltet. In einem kleinen Becken kann man Schildkröten ansehen, die jedoch ein recht trostloses Dasein fristen. Insgesamt ist mir die nicht-artgerechte Haltung von Tieren während meines Aufenthalts in Saigon noch öfter aufgefallen. Trotzdem ein interessanter Ort, an dem man sich von der Hektik der Hauptstraßen erholen kann.

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Nach einem letzten Abstecher zu Notre Dame, der Kathedrale Saigons, die aber leider geschlossen war, machte ich mich zurück auf den Weg zum Hostel.

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Das Postamt von Saigon am Ende der Walking Street

Wer nachts in Distrikt 1 unterwegs ist und einen unvergesslichen Blick auf die Lichter der Großstadt genießen will, dem kann ich die Air 360 Sky Lounge ans Herz legen. In luftiger Höhe kann man dort essen, trinken und die Skyline bestaunen. Doch Backpacker aufgepasst: Mit Flip Flops und Shorts kommt man dort nicht hinein, auch nicht mit Diskussionen. Turnschuhe sollten es mindestens sein und auch dann wird man sich in der Bar neben den Locals, der High Society von Saigon, sehr schäbig vorkommen. Die Happy Hour ist von 18:00 bis 21:00 Uhr. In dieser Zeit bekommt man locker zwei Cocktails für 5 Euro – teuer für Saigon aber unschlagbar, wenn man die Location berücksichtigt!

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Wer weiterfeiern will, den wird es auf die berühmte Walking Street ziehen. Vergleiche mit Khaosan Road in Bangkok liegen nahe – hier reiht sich Bar an Bar, Restaurant an Restaurants, Tausende von Touristen und Locals drängen sich durch die Straße, die für Autos gesperrt ist. Ein Haufen bildhübscher Vietnamesinnen stehen bereit, sich als „Freundinnen“ westlicher Besucher anzubieten, und ich wage zu behaupten, man kann in dieser Straße so ziemlich alles bekommen, wenn man nur richtig fragt. Ich hatte eine zweitägige Tour im Mekong-Delta vor mir, so begnügte ich mich mit ein paar Drinks und Billard, bevor ich mich auf den Rückweg in mein Hostel machte. Insgesamt gefällt mir Ho-Chi-Minh-Stadt sehr gut, besonders zum Ausgehen, und ich hätte kein Problem damit, hier noch 1, 2 Tage mehr zu verbringen.

El Nido (Palawan)

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El Nido

Meine Zeit in den Philippinen neigte sich dem Ende zu und es wurde Zeit, für mein letztes Ziel: der Ort El Nido im Norden Palawans. Die Fahrt mit dem akklimatisierten Van dauerte ungefähr vier Stunden. In El Nido angekommen, mussten wir uns erst ein Zimmer suchen. Hier fielen mir bereits die im Vergleich zu Port Barton deutlich höheren Preise auf. Außerdem muss ich sagen, dass mir El Nido von allen Städten, die ich auf den Philippinen besucht habe, am wenigsten gefallen hat. Der Ort ist mir zu vollgepackt mit Touristen, zu eng, zu verschmutzt, zu teuer. Er ist weder architektonisch schön, noch ein Ort zum Entspannen, noch besonders gut geeignet zum Feiern. Im Grunde wäre El Nido nur ein überteuertes Nest, wenn da nicht diese Aussicht wäre…

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Die Stadt kann es sich leisten, teuer zu sein, denn sie liegt geografisch an einem der schönsten Orte Palawans, der Philippinen – ja wahrscheinlich ganz Südostasiens. Bereits in der Stadt fällt der Blick auf die majestätischen, dicht bewachsenen Kalksteinfelsen: Überbleibsel einer Zeit, als der Meeresspiegel viel höher war.

Ich wollte unbedingt einen besseren Blick auf diese Felsen und die Bucht von El Nido erhaschen – darum meldete ich mich und meine Begleiter zum sog. Canopy Walk an: Für 500 Pesos (7,5 Euro) kann man dort einen Felsen besteigen, wobei man immer gesichert ist. Das Risiko ist somit minimal, darum lohnt sich der Canopy Walk vor allem für unerfahrene Kletterer. Dabei kommt durchaus Adrenalin auf, z.B. wenn man (natürlich gesichert) eine wacklige Hängebrücke überqueren muss. Lange dauert der Ausflug in luftige Höhen übrigens nicht: Nach etwa 20 Minuten hatten wir die Aussichtsplattform erreicht, wo unser Tourguide noch ein Foto von uns machte. Dieses hätten wir unten angekommen käuflich erwerben können. Insgesamt ein spaßiges, wenn auch etwas kurzes Vergnügen und perfekt für einen angebrochenen Nachmittag. Wer mehr Erfahrung im Klettern hat, dürfte die Tour jedoch ziemlich langweilig finden und ist mit einer längeren Klettertour wohl besser beraten.

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Aussicht auf die Bucht von El Nido

Wir hatten noch ein wenig Zeit, bevor es dunkel wurde, also entschlossen wir uns, zu einem der schönsten Strände El Nidos zu fahren: Nacpan Beach. Die Fahrt dauert mit dem Tricycle etwa eine Stunde und ist aufgrund der schlechten Straßen sehr unbequem. Die holprige Fahrt lohnt sich jedoch, denn der Strand stellte wirklich alles in den Schatten, was ich bisher auf den Philippinen gesehen habe. Der Sand ist fein und blütenweiß und vor der Küste herrscht ein kräftiger Wellengang, der ein Bad im warmen Wasser umso spaßiger macht. Außerdem konnten wir hier einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachten, bevor wir uns bei Einbruch der Dunkelheit auf den Rückweg zu unserem Hotel machten.

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Island Hopping in El Nido

Am nächsten Morgen wollten wir endlich das machen, wofür die meisten Touristen nach El Nido kommen: Island Hopping in der malerischen Bucht zwischen den imposanten Kalksteinfelsen. Hier hatten wir wieder die Qual der Wahl zwischen vier verschiedenen Touren. Wir entschieden uns für eine Tour mit fünf Inseln und einem ausgewogenem Angebot aus Schnorcheln, Höhlen und begehbaren Inseln. Mit dabei war ein Mittagessen und die Tour sollte pro Person etwa 1200 Pesos (18 Euro) kosten.

Es ging los mit Entalula Island. Hier machten wir einen Stopp zum Schnorcheln, wobei uns der Bootsführer vor den Quallen warnte. Die Warnung veranlasste ein paar Mitglieder unserer Gruppe, auf dem Boot zu bleiben, sollte sich jedoch als unberechtigt herausstellen. Der Spot war wunderbar geeignet zum Schnorcheln, auch wenn das Riff bei weitem nicht an die Unterwassergärten in Port Barton heranreichte.

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Als nächstes fuhren wir nach Snake Island. Wie bei Starfish Island in der Nähe Port Bartons handelt es sich dabei um eine Sandbank, die bei Flut komplett unter Wasser liegt, zur Zeit unseres Besuches jedoch begehbar war. Wenn man einen kurzen Weg durch die Mangrovensümpfe geht, gelangt man außerdem zu einem Aussichtspunkt, von wo aus man einen wunderschönen Blick über die Sandbank und die nahe gelegenen Inseln genießen kann.

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Auf der nächsten Insel sollten wir unser Mittagessen erhalten – zuvor jedoch stand ein Besuch der Cudugnon-Höhle an, in die man nur durch einen schmalen Eingang gelangt. Die Höhe selbst beeindruckt durch ihren hohen Innenraum und die interessante Färbung des Gesteins. Außerdem kann man, wenn man mutig ist, über eine Schlucht zu einem Aussichtspunkt klettern.

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Die Kletterei machte mich hungrig, so dass ich mich schon auf das Mittagessen freute. Und ich wurde nicht enttäuscht: Während wir in der Höhle waren, hatten unsere Tour Guides ein beeindruckendes Mahl aufgetischt: Es gab frisch gefangenen Fisch, Shrimps, Hühnchen, Reis, Gemüse, dazu Mangos, frische Anananas und Wassermelone. Das Essen unter freiem Himmel schmeckte köstlich und ich kann jedem nur empfehlen, eine Island Hopping Tour mit Verpflegung zu buchen!

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Frisch gestärkt machten wir uns auf den Weg zu Cathedral Cave, einer Höhle, die nur mit dem Boot erreichbar ist und aufgrund ihrer länglichen Form und des hohen Deckengewölbes an eine Kathedrale erinnert. Ein durchaus interessantes Ziel und eine gute Gelegenheit, Fotos zu schiessen.

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Das Highlight dieses Inselspringens wartete jedoch noch auf uns – in der Form von Pinagbuyutan Island. Falls ich auf einer Insel stranden müsste, würde ich mir diese aussuchen, denn sie bietet einfach alles: traumhaften Sandstrand, grüne Wiesen, Palmen, majestätische Klippen und einen atemberaubenden Ausblick auf die Felsen in der Ferne. Nicht einmal die Masse an Touristen konnte die Inselromantik auf Pinagbuyutan stören. Eindeutig meine Lieblingsinsel bisher!

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Mit diesen wunderschönen Impressionen machten wir uns auf den Rückweg nach El Nido. Am nächsten Tag besuchte ich noch Marimegmeg Beach: Der Strand liegt näher an El Nido als Nacpan Beach, ist deutlich weniger malerisch, zum Schwimmen aber sehr gut geeignet.

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Mein abschließendes Urteil? Besagte Französin hatte Recht: Port Barton mag die schönsten Korallenriffe haben, doch die Inselwelt vor der Küste El Nidos stellte alles in den Schatten, was ich davor gesehen hatte. Darum empfehle ich jedem, die Island-Hopping-Touren zu machen. Das dürfte dann auch der einzige Grund sein, El Nido zu besuchen. Wie schon gesagt, mochte ich die Stadt an sich nicht besonders: Sie ist mir zu laut, zu verschmutzt, zu teuer: Zwar bekommt man auch hier ein Mittagessen für 50 Pesos (75 Cent), man muss aber recht lange danach suchen. In einem der schicken Restaurants kann man für eine Mahlzeit mit Getränken gut das 10-fache ausgeben – für die Philippinen inakzeptabel. Doch wie gesagt: Die wunderschöne, einzigartige Naturkulisse entschädigt für den Wucher. Ein gelungener (vorläufiger) Abschluss meiner Reise auf die Philippinen!

Port Barton (Palawan)

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Ein Kanadier, den ich auf Bohol getroffen hatte, erzählte mir von einem Ort, der zwischen Puerto Princesa und El Nido, den beiden bekanntesten Städten im touristischen Teil Palawans liegt. Laut Wikitravel soll Port Barton ähnlich wie El Nido sein, jedoch nur halb so teuer. Diese Behauptung sollte sich nicht ganz bewahrheiten, trotzdem machte sie mich neugierig. Ein weiterer Grund für mich, Port Barton zu besuchen, war die Lage. Eine Busfahrt von Puerto Princesa nach El Nido im Norden dauert etwa 8 Stunden und kann sehr, sehr unangenehm werden, je nachdem welchen Platz man hat. Da bietet sich Port Barton an, um zwischendurch einen Stopp einzulegen.

Als ich ankam, war es bereits dunkel, so konnte ich vom Ort selbst nicht viel sehen. Allerdings fiel mir die Idylle und relative Ruhe bereits auf. Kaum Autos fahren auf den Straßen, die nicht immer asphaltiert sind, die liebevollen Holzhütten stehen im Schatten riesiger Palmen und aus dem Unterholz ertönt das Singen der Zikaden – Port Barton ist definitiv ein verschlafener Ort, in dem man vom Trubel Puerto Princesas und El Nidos nicht viel mitbekommt. Nach einem kurzen Abendessen im Dam Dam, einem sehr leckeren und preisgünstigen Restaurant, ging ich in unserem Homestay, in dem wir für 2 Personen pro Nacht 350 PHP (5,25 Euro) zahlten, ins Bett. Ich konnte wirklich gut schlafen, aber die Ruhe hat ihren Preis: In Port Barton gibt es Strom nur von 18:00 bis 24:00 Uhr, es sei denn das Hotel oder Resort besitzt einen Generator. W-LAN habe ich in meiner Zeit dort nicht angetroffen. Der Handyempfang ist ebenfalls sehr schwankend.

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Verschlafen und idyllisch – das Städtchen Port Barton

Ich hatte bereits seit fast einer Woche keinen Wasserfall mehr gesehen! Darum war mein Hauptziel am nächsten Tag die Papawyan Falls, etwa 5 km von Port Barton entfernt. Die Wasserfälle an sich sind weder so spektakulär wie die Tumalog Falls in Oslob, noch so weitläufig wie die Kawasan Falls. Auch kann man hier nirgendwo ins Wasser springen. Dafür ist der Eintritt frei. Die Abkühlung bei den Wasserfällen war herrlich, mein persönliches Highlight war jedoch die Wanderung dorthin: Port Barton bietet eine beeindruckende, fast unberührte Naturkulisse mit üppiger Vegetation und geschwungenen Hügeln. Hohe Palmen wiegen sich im Wind, der Weg ist gesäumt von Bananensträuchern und Elefantengras, und im Hintergrund liegen malerische Reisfelder. Alles in allem ist die postkartenreife Landschaft sicherlich ein Hauptgrund, Port Barton einen Besuch abzustatten.

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Bei der Mittagshitze bleibt man am besten im Schatten…
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…oder gönnt sich ein Schlammbad.

 

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Andere Tiere sieht man eher durch glücklichen Zufall.

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Island Hopping in Port Barton

Man fährt nach El Nido für die Inseln, aber man fährt nach Port Barton für die Korallenriffe. So ähnlich sagte es uns eine Französin, die wir bei den Wasserfällen getroffen hatten, und wir wollten sie beim Wort nehmen. Also legten wir den kurzen Weg zum Strand zurück und erkundigten uns nach einer Bootstour, auf der wir hauptsächlich Schnorcheln wollten. Ein williger Anbieter war schnell gefunden, der Preis ging mit 600 PHP (9 Euro) auch in Ordnung und war günstiger als in Honda Bay. Außerdem mussten wir diesmal das Boot nicht mit anderen Leuten voll packen, sondern waren nur zu zweit. So konnten wir uns für die vier vorgesehenen Stopps so viel Zeit lassen, wie wir wollten.

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Die Island Hopping Touren kann man direkt am Strand buchen.

Wir wollten direkt schnorcheln, und so war unser erster Anlaufpunkt das Twin Reef, wo wir eine beeindruckende Vielfalt an Fischen sahen, allerdings auch von vielen Quallen gepiesackt wurden. Danach steuerte unser Boot German Island an. Der Name machte mich neugierig und unser Bootsführer erklärte, ein Deutscher habe die Insel vor ein paar Jahren gepachtet und sie so genannt. Wirklich sehr einfallsreich… Die Insel sieht sehr malerisch aus, allerdings gibt es dort außer einem Resort nicht viel, weshalb wir uns den Eintrittspreis von 100 Pesos sparten. Wir steuerten gleich unser nächstes Ziel an: ein Spot, der für seine Meeresschildkröten bekannt ist, und dessen Name ich leider vergessen habe. Tatsächlich bekam ich eine große Meeresschildkröte zu Gesicht, die am Meeresgrund graste. Die vielen Touristen, die sich im Wasser um das arme Tier drängten, trübten das Erlebnis jedoch ein wenig. Hier hat Moalboal bei weitem mehr zu bieten.

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German Island – ein Stück Heimat am Ende der Welt

Das Highlight beim Schnorcheln war dann das Fantastic Reef, das seinen Namen nicht umsonst trägt. Nirgendwo sonst, außer in Moalboal, war ich so lange am Stück Schnorcheln und habe mich einfach auf der Oberfläche treiben lassen, fasziniert von der Unterwasserwelt. Auch wenn ich, anders als in Moalboal, keine Seeschlangen und Anemonenfische gesehen habe, war ich sehr beeindruckt von der Lebendigkeit, der Vielfalt und vor allem der Größe der Korallen am Fantastic Reef. Wenn ich mir ein Riff in Palawan zum Schnorcheln aussuchen könnte, wäre es sicher dieses.

Unser letzter Stopp war Starfish Island. Der Name machte mich erst etwas stutzig, aber es handelte sich natürlich nicht um das Starfish Island, das wir auf unserer Bootstour in Honda Bay besucht hatten. Im Grunde ist es auch keine Insel, sondern eine Sandbank, die im Tagesverlauf überflutet wird. Bei unserem Besuch ragte noch ein kleiner Teil aus dem Wasser, so dass wir darauf spazieren gehen, in der Brandung liegen und unseren Blick über das türkisblaue Wasser schweifen lassen konnten. Ein entspannter Abschluss einer insgesamt sehr lohnenswerten Bootstour mit nettem, kundigen Führer, der uns danach sogar half, unseren Weitertransport nach El Nido zu organisieren. Sehr empfehlenswert.

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Insgesamt kann ich Port Barton jedem empfehlen, der auf Palawan unterwegs ist und abseits des Trubels von Puerto Princesa und El Nido einen Ort der Ruhe und Entspannung sucht. Der ländliche Charme, die wunderschöne Landschaft und die über alle Maßen freundlichen Menschen machen einen Besuch wirklich zum Highlight, auch wenn man auf Annehmlichkeiten wie durchgängige Elektrizität und schnelles Internet verzichten muss. Das macht jedoch für mich die Atmosphäre in diesem Postkartendorf im Dschungel aus. Port Barton bietet außerdem, gemessen an seiner Größe, eine riesige Auswahl an Restaurants und Bars am Strand, die allesamt einfach wunderschön gestaltet sind. Das einzige Manko war, dass viele Bars zur Zeit meines Besuchs (März 2018) völlig menschenleer waren. Aus diesem Grund würde ich den Barbesitzern, die einen tollen Service bieten, fast wünschen, dass der Ort in ein paar Jahren so überfüllt ist wie El Nido. Auch wenn damit natürlich der entspannte Charme Port Bartons ein Stück weit verloren gehen würde…

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Reis ist auch in Palawan ein Hauptnahrungsmittel und wird auf der Straße zum Trocknen ausgelegt.

Puerto Princesa (Palawan)

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Nach dem Sightseeing-Marathon in Bohol war es Zeit für mein (vorerst) letztes großes Ziel auf den Philippinen: Palawan. 99% aller Philippinen-Reisender steuern die Insel früher oder später an, und das zu Recht, wie sich herausstellen sollte. Mit Air Asia flog ich von Cebu City nach Puerto Princesa, den Weg vom Flughafen zum Hostel konnte ich bequem zu Fuß gehen. Erschöpft von der Reise war meine letzte Handlung an diesem Tag, meine Schuhe reparieren zu lassen, was mich bei einem lokalen Familiengeschäft nur 150 Pesos (2,25 Euro) kostete. Anschließend ließ ich den Tag bei einem Live Konzert einer philippinischen Girl-Band in der Tiki Bar ausklingen.

Puerto Princesa Subterrean River

Puerto Princesa selbst bietet Backpackern nur eine weitere Großstadt mit günstigen Unterkünften. Es gibt jedoch eine Attraktion, die es wirklich wert ist, besichtigt zu werden: Der Puerto Princesa Subterrean River, ein unterirdischer Fluss etwa 2 Stunden von der Stadt entfernt. Zwar liegt Sabang, der Ort, in dem man die Bootstouren bucht, auf halber Strecke zu Port Barton. Aufgrund der Straßenlage muss man jedoch runter nach Princesa fahren, wenn man dorthin gelangen will.

Unsere eigentliche Intention war es, den Mt Bloomfield zu besteigen und den Subterrean River am nächsten Tag zu besichtigen. Zur Zeit unseres Besuchs (20.03.2018) war der Berg, der sich majestätisch über dem Ort Sabang auftürmt, jedoch für Besucher geschlossen. Es klang auch nicht danach, als würde sich das in naher Zukunft ändern. Also änderten wir unsere Pläne. Nach einem ausgiebigen Mittagessen in einem wirklich guten All-you-can-eat Restaurant für 200 Pesos (3 Euro) machten wir uns auf den Weg zum Besucherzentrum, um unsere Tour zu buchen. Man muss beachten, dass man dort das Boot samt Guide und die Environmental Fee bezahlt. Um die Kosten auf mehrere Personen umzulegen, suchten wir nach anderen Touristen und fanden diese schnell. Und dann ging es auch schon los. Mit dem Boot fuhren wir zur Mündung des Flusses und liefen den Rest des Weges. Schwimmweste und Helm sind für die Bootsfahrt auf dem unterirdischen Fluss vorgeschrieben, außerdem bekommt man vor Ort einen Audio Guide.

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Majestätisch, aber nicht für Touristen zugänglich – der Mt Bloomfield
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auf dem Weg zum Subterrean River

Bei der Flussmündung steigt man in ein Ruderboot um, und schon beginnt die Reise in die Dunkelheit. Der Fluss fließt durch eine Höhle, die in Millionen von Jahren entstand und aufgrund ihrer Größe und der variantenreichen Gesteinsformationen einmalig auf der Welt ist. Der Puerto Princesa Subterrean River wurde 1999 in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes aufgenommen, und das nicht ohne Grund. Passiert man den Eingang der Höhle, ist man in einer ganz anderen, geheimnisvollen Welt; einer steinernen Kathedrale mit atemberaubend hohem Deckengewölbe und gigantischen Tropfsteinen, Heimat unzähliger Fledermäuse, die hier Schutz in der Dunkelheit suchen. Besonders beeindruckend ist es, wenn der Bootsführer irgendwann das Licht ausmacht und man auf einmal komplett im Dunklen sitzt. Der Audioguide empfiehlt, den Mund geschlossen zu halten, wenn man nach oben sieht, um nicht eine ungenehme Überraschung in Form von Feldermauskot abzubekommen. Dies ist angesichts der Majestät dieses Ortes jedoch nicht immer einfach. Der Bootsführer ist übrigens mit einer Taschenlampe bewaffnet und leuchtet auf der Fahrt besonders schöne Gesteinsformationen aus, z.B. den Kopf eines T-Rex, eine weiblich anmutende Formation, die Sharon Stone getauft wurde, oder den „Markt“, eine Galerie von Tropfsteinen, die wie Obst und Gemüse aussehen. Man braucht nicht viel Fantasie, um diese Formationen zu erkennen und ihre Vielfalt ist schier unerschöpflich. Viele Formationen wie die heilige Jungfrau, der Engel oder das letzte Abendmahl stammen aus dem religiösen Bereich. Und obwohl ich beim Besuch der Höhle kein spirituelles Erlebnis hatte, kann ich den Besuch nur weiterempfehlen. Die Höhle ist einzigartig auf der Welt und die Tour wirklich kurzweilig. So gesehen lohnt sich auch der Preis von etwa 900 Pesos (13,5 Euro) definitiv.

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Der Eingang zum Subterrean River

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Island Hopping in Honda Bay

Am nächsten Tag stand uns der Sinn nach Island Hopping: Man mietet ein Boot für ein paar Stunden und steuert verschiedene kleine Inseln an. Ist man dort angekommen, kann man so viel Zeit verbringen, wie man will, bevor man den Bootsführer bittet, weiter zu fahren. Also fuhren wir mit dem Jeepney in weniger als einer halben Stunde von Puerto Princesa zur Honda Bay und versuchten, ein Boot zu mieten. Dies stellte sich jedoch als nicht ganz einfach heraus. Man zahlt nämlich einen festen Preis für das Boot, egal wie viele Personen mitfahren. Der Preis beträgt etwa 1000 Pesos (15 Euro), darum lohnt es sich, das Boot mit 6 Leuten voll zu packen, um die Kosten zu senken. Da wir schon recht spät dran waren und außerdem in vier Stunden wieder zurück sein mussten, um unseren Van nach Port Barton zu erwischen, gestaltete sich die Suche als recht zeitaufwändig. Schließlich fanden wir jedoch eine Reisegruppe, deren Pläne sich mit unseren überschnitten. Schnell einigten wir uns darauf, vier Inseln anzusteuern und auf jeder Insel maximal eine Stunde zu verbringen.

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Wenn man ohnehin in Honda Bay ist, sollte man einen Blick in den Buddhistischen Tempel wagen!

Die erste Insel war Cowrie Island, nur wenige Minuten von Honda Bay entfernt. Cowrie ist, wie die meisten kleinen Inseln vor der Honda Bay, in privater Hand und normalerweise nur für Gäste der Resorts zugänglich. Gegen eine Gebühr, die je nach Insel 50 – 100 Pesos (0,75 – 1,50 Euro) beträgt, kann man die Inseln jedoch auch so besuchen. Cowrey Island besticht vor allem durch seinen feinen Sandstrand und lädt zum Schwimmen ein. Ansonsten gibt es dort außer ein paar Restaurants nicht viel zu sehen und ich glaube, mich würde es ziemlich anöden, hier mehr als ein paar Stunden zu verbringen.

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Unser zweiter Anlaufpunkt war Starfish Island. Die Insel verdankt ihren Namen den vielen Seesternen, die hier (angeblich) zuhause sind. Bei unserem Besuch konnte ich jedoch keinen einzigen sehen. Hier kann man schnorcheln, das Erlebnis ist jedoch eher ernüchternd, da man bei weitem nicht so viele Fische zu Gesicht bekommt wie in Moalboal oder der nächsten Insel auf unserer Island Hopping Tour.

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Dabei handelte es sich streng genommen gar nicht um eine Insel, sondern um eine küstliche Plattform inmitten des Ozeans. Etwas skeptisch gingen wir von Bord und an der designierten Stelle wieder mit unseren Taucherbrillen ins Wasser. Dort konnten wir einige beeindruckende Schwärme von Sardinen sehen. Unser Bootsführer riet uns jedoch, etwas weiter landeinwärts zu schwimmen. Dort befindet sich ein Korallenriff, das mich dann doch sehr beeindruckt hat. Zwar sind die Korallen nicht so lebendig und farbenfroh wie in Moalboal – ich konnte dort jedoch wesentlich größere Fische, z.B. große Drücker- und Doktorfische sehen. So gesehen war diese künstliche Insel mein persönliches Highlight auf der Tour.

Die letzte Insel – Luli Island – ist besonders dank ihrer Form interessant. Sie besteht aus einer ringförmigen Sandbank, die bei Flut fast völlig verschwindet, und einem Mangrovenwald. Auch hier kann man Schnorcheln und einige imposante Fischschwärme zu Gesicht bekommen.

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Insgesamt hat sich das Island Hopping in der Honda Bay für mich durchaus gelohnt – vor allem wenn man bedenkt, dass ich insgesamt nicht mehr als 450 Pesos (6,75 Euro) ausgegeben habe. Die Inseln bieten alle feinen Sandstrand, türkisblaues, absolut klares und warmes Wasser und hübsche Vegetation, sind jedoch bei weitem nicht so beeindruckend wie die imposanten Kreidefelsen vor der Küste El Nidos. Etwas schade fand ich jedoch, dass die kleinen Inseln bereits so touristisch erschlossen sind. Wer also auf der Suche nach abgelegener Inselromantik ist, der wird beim Island Hopping in Honda Bay nicht fündig, sondern dürfte deutlich mehr Zeit und Geld investieren müssen.